Von Hobbies, die keinen Spaß machen

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Von Hobbies, die keinen Spaß machen

Gleich mal eine Prognose vorweg: ich bin sicher, dass ich in der nächsten Zeit bei vielen meiner Kunden „Mandalas für Erwachsene“ ausmisten werde. Halb ausgemalt oder noch völlig unberührt.

Was liegt bei Ihnen zu Hause ungenutzt in den Regalen und Schränken? Ein CD-Sprachkurs? Ein Strickset für Anfänger? Inline-Skates? Einführung in die Philosophie in sechs Bänden? Eine Nähmaschine? Ein Heimtrainer (ich weiß, ich komme immer wieder auf ihn zurück, aber ich kann ihn einfach nicht unerwähnt lassen). Haben Sie sehr motiviert begonnen, sich damit zu beschäftigen und irgendwann damit aufgehört? Oder vielleicht noch gar nicht ausgepackt, weil Sie noch auf den richtigen Zeitpunkt warten? Sie sind sicher, wenn Sie abends endlich mal nicht müde von der Arbeit kommen, wenn keine Hausarbeit mehr auf Sie wartet, Sie endlich dieses Projekt in der Arbeit abgeschlossen haben, dann kommt sie, die Motivation und Sie werden sich so richtig in Ihr neues Hobby stürzen. Morgen schon könnte der Augenblick sein, sicher aber nach dem nächsten Urlaub…

 

Wie war das nochmal, sollten Hobbies nicht Spaß machen?

Bis dahin aber begegenen Ihnen diese Utensilien fast tagtäglich in Ihrem Zuhause und verursachen vermutlich ein Mißgefühl. Komisch eigentlich, denn Sie haben das ja alles angeschafft, um Ihr Leben zu bereichern und etwas zu tun, was Ihnen Freude macht. Statt dessen: ein schlechtes Gewissen und Druck, jetzt doch endlich mal anzufangen.

Wenn das so ist, dann sollten Sie sich folgende zwei Mögichkeiten überlegen: entweder anfangen und zwar noch heute – ohne Erwartungen, was dabei rauskommen muss und ohne Erfolgsdruck.

Oder die Vorstellungen von sich selbst überprüfen. Vielleicht sind Sie einfach nicht der philosophische Typ? Vielleicht liegt Ihnen das Sprachenlernen nicht? Vielleicht langweilt es Sie einfach unbeschreiblich, auf dem Heimtrainer zu sitzen? Ich weiß, wir wären alle gerne sportliche, mehrsprachige, kreative Molekularköche. Das Problem ist nur, diese überfrachteten Vorstellungen hindern uns rauszufinden, was wirklich wichtig ist, nämlich: was macht MICH glücklich.

Seien Sie ehrlich zu sich. Die Enttäuschung, nachdem Sie sich von einer hartnäckigen Vorstellung verabschiedet haben, wird kommen. Aber sie wird schnell einer Erleichterung Platz machen. Dann kann Raum entstehen, Ihre wirklichen Bedürfnissen aufzuspüren. Ein guter Anfang kann sein, sich zu erinnern, was Sie als Kind gern und ausdauernd gemacht haben.

Ich zum Beispiel musste mich damit anfreunden, dass ich keine ausgefallene Schwarzweißfotos in der eigenen Dunkelkammer entwicklen werde (also weg mit Stativ und Entwicklungsausstattung und Fotopapier). Ebenso, dass es mich nicht entspannt, vor der Staffelei zu sitzen und zu malen (Staffelei, Farben und diverse Leinwände freuen jetzt den Kindergarten). Stattdessen habe ich herausgefunden, dass ich es liebe Pralinen zu machen und zu stricken. Das mache ich auch regelmäßig, ausdauernd, mit einem gewissen Ehrgeiz, besser zu werden. Vor allem aber, genieße ich ganz einfach das Tun.

 

Das Kinderzimmer als Spiegel der Erwartungen

Ein ehrlicher Blick ins Kinderzimmer wird vielen Eltern zeigen, wie sie ihre Vorstellungen schon auf ihre Kinder übertragen: was da nicht alles liegt, weil es diese und jene Fähigkeit fördern soll (wenn schon nicht wir sportliche, mehrsprachige, kreative Molekularköche werden können, dann doch vielleicht wenigstens unsere Kinder). Was macht der Nachwuchs? Rührt manches Spielzeug hartnäckig nicht an.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Schreiben Sie mir, was Sie mit Ihren verwaisten Hobby-Utensilien angestellt haben. Ausprobiert oder aussortiert? Ich freue mich auf Ihre Geschichten.

By | 2017-10-11T14:21:24+00:00 Februar 12th, 2016|Categories: Tipps|

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