Von To-Do-Listen und Glaubenssätzen

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Von To-Do-Listen und Glaubenssätzen

„Warum krieg ich bloß nichts geregelt?“

Immer wieder begegnen mir bei meinen Kunden To-Do-Listen. Meist sind sie im ganzen Haushalt verstreut, schon nicht mehr ganz aktuell, seeeehr umfangreich und zum allergrößten Teil nicht erledigt. Meine Kunden sind darüber natürlich frustriert, weil diese Zettel und Listen ihnen das Gefühl geben, nichts geschafft zu haben.

In meiner Arbeit haben sich drei Hauptgründe für die ungezähmten Listen herausgestellt. Hinter jedem steckt ein anderer Glaubenssatz, der unbewußt in meinen Kunden arbeitet.

  1. Sie nehmen sich viel zu viel vor – ihr Glaubenssatz lautet: „Streng Dich mehr an“
  2. Sie wollen alles perfekt machen – ihr Glaubenssatz lautet: „Mach bloß keine Fehler“.
  3. Es fällt ihnen schwer, um Hilfe zu bitten – ihr Glaubenssatz lautet: „Sei stark“

Wenn ich bei meinen Kunden dann mal alle Zettel, Post-Its und Listen gesammelt vor mir liegen habe, gehen wir alles gemeinsam durch, priorisieren, überlegen, wie viel Zeit was in Anspruch nimmt und entwickeln einen Wochenplan. Und wir nehmen uns ihre Glaubenssätze vor. Beim Ordnen und Reden stellt sich schnell heraus, welcher der drei Gründe sie daran hindert, ihre Liste zu zähmen.

Sie nehmen sich zu viel vor? Bitte hier weiterlesen!

Der To-Do-Liste ist es völlig egal, wie voll sie ist. Sie wird bereitwillig alles aufnehmen. Sie wird nicht schreien „Stop – Du übernimmst Dich gerade“. Leider macht das ja auch sonst niemand. Eine stetig wachsende Liste und Aufgaben, die monatelang nicht in Angriff genommen werden, könnten ein Hinweis darauf sein, dass Sie sich vielleicht zuviel vornehmen . Es hat ja auch was für sich: alles, was man zunächst mal zu Papier bringt, ist erstmal aus dem Kopf. Nur: alles was man zu Papier bringt, steht da dann auch und will irgendwie behandelt werden. Ich rate diesen Kunden, sich sehr genau zu überlegen, ob etwas wirklich auf die To-Do-Liste muss. Auf eine To-Do-Liste gehören bei diesen Kunden erstmal nur Dinge, die erledigt werden müssen, weil sonst Probleme entstehen. So bekommen sie zum ersten Mal seit langem wieder das Gefühl, nicht von ihren Aufgaben erdrückt zu werden. Sachen wie „Details zum Fotoapparat recherchieren“, „das neue Restaurant testen“,  „Pullover fertig stricken“ oder „Fotos einkleben“ gehören in die Kategorie „wenn mal Zeit ist“. Legen Sie sich dafür einen eigenen Zettel an. Wahrscheinlich wird dieser Zettel in Windeseile anschwellen. Soll er doch. Aber wenn Sie sich wirklich streng an die Trennung halten, wird dafür Ihr To-Do-Zettel viel überschaubarer – und machbarer werden und dann haben Sie auch wieder Zeit für ein paar der Posten auf dem anderen Zettel.

Sie wollen alles perfekt machen? Bitte hier weiterlesen!

Menschen, die alles perfekt machen wollen, verbringen sehr viel Zeit darauf zu überlegen, WIE sie es am perfektesten machen können. Vor lauter Überlegen und Tüfteln, kommen sie nicht dazu, die Dinge einfach zu erledigen. Meine Kunden überlegen und überlegen, wie sie am besten Ordnung halten können, welche Systeme ihnen dabei am effizientesten helfen können. Sie machen Notizen, probieren System nach System aus. Aber zum Aufräumen und Erledigen kommen sie nicht. Die ganze Energie geht sozusagen in die Vorbereitung. Wer so veranlagt ist, dem ist nicht mit dem Satz „Jetzt lass doch mal Fünfe gerade sein“, geholfen. Mit meinen perfektionistischen Kunden erarbeite ich klare Abläufe, mit denen sie sich gut gerüstet fühlen. Es ist wichtig, bei den einmal beschlossenen Regeln zu bleiben und sie nicht gleich wieder zu verwerfen – weil sie nicht ganz perfekt sind. Das allein ist oft schon eine große Herausforderung. Das Ziel ist es, die Freude am Abschluss zu spüren. Ich mache meinen Kunden klar, dass die letzten 10% zum perfekten Ergebnis unverhältnismäßig viel Zeit in Anspruch nehmen und zumeist den Abschluss ganz verhindern: von 100% der der Zeit für ein 100% perfektes Ergebnis benötigen die letzten 10% 90% der gesamten Zeit. Lassen Sie die letzten 10% da wo sie hingehören – in das Reich der Wunschvorstellungen. 90% sind super! Denn: nicht beendet sind selbst 99% gar nichts.

Wer sich jetzt denkt „das hab ich doch schonmal gehört“, hat Recht: die Pareto-Regel besagt genau das. Allerdings ging Vilfredo Pareto sogar von einem Verhältnis von 80% zu 20 % aus. Ich persönlich kann mich dem nur anschließen, für meine Kunden wäre das aber oft zu radikal.

Sie wollen alles alleine machen? Bitte hier weiterlesen!

Fast alle meiner Kunden, die denken, sie müssten alles im Alleingang erledigen, haben Familie und sind weiblich. Erraten – es sind die Mütter unter meinen Kunden (es gibt sicher auch Väter auf die das zutrifft- von denen hat mich bisher nur noch keiner um Hilfe gebeten). Sie haben alles im Kopf, erledigen alles, was sie im Kopf haben alleine und denken noch für alle anderen Familienmitglieder mit. Zumeist haben diese die Nicht-Arbeitsteilung ohne sie zu hinterfragen akzeptiert. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zu knirschen beginnt: dauernder Streit, ständige Enttäuschungen und das permanente Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden, machen das Familienleben freudlos. Die Hüterin über die To-Do-Liste muss lernen, Verantwortung abzugeben (das heißt natürlich auch Kontrolle abgeben). Gleichzeitig müssen die anderen Familienmitglieder auch in die Pflicht genommen werden. Oft fällt es den Einzelkämpfern schwer, zu delegieren, wohingegen Kinder und Partner sich für ein entspannteres Miteinander gerne mehr an den familiären Aufgaben beteiligen möchten. In einer Familienkonferenz erarbeiten wir gemeinsam Regeln, wir bestimmen Zuständigkeiten und ich versuche oft überhaupt erst mal wieder eine Gesprächsbasis herzustellen.

Haben Sie auch das Gefühl, Ihre To-Do-Liste ist unbezähmbar? Dann versuchen Sie Ihren Glaubenssatz herauszufinden. Der erste Schritt zu einer Veränderung ist dann schon gemacht. Der führt über den eigenen Schatten – und das ist ja eigentlich immer ein Gewinn.

Mein Glaubenssatz ist übrigens der dritte.

By | 2017-10-11T14:05:51+00:00 Oktober 18th, 2016|Categories: Tipps|

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