Ausreden ausmisten – Nummer 1

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Ausreden ausmisten – Nummer 1

Ich werde es vielleicht mal brauchen

Wann immer mich Menschen anrufen und um Hilfe bitten, haben Sie einen der wichtigsten Schritte bereits geschafft: sie haben für sich beschlossen, ihren Wohnraum nicht mehr sich selbst zu überlassen. Wenn ich mit Kunden zum ersten Mal arbeite, weiß ich also, dass sie bereit sind, einige Anstrengungen in Kauf zu nehmen. Dennoch weiß ich vorher nie, wie groß die Bereitschaft ist, sich von Dingen zu trennen.

Es sind die Vorstellungen dahinter, die das Ausmisten so schwer machen. Jeder Gegenstand repräsentiert einen Wunsch, eine Vorstellung, eine Erinnerung und auch Ängste. Der Abschied davon ist die eigentliche Herausforderung. Es ist leicht nachvollziehbar, dass der Abschied von z.B. einem Wunsch schmerzhaft sein kann, aber selbst an ihren Ängsten halten viele unbewußt fest. Wenn man es schafft, sich davon zu lösen, fällt auch das Ausmisten leicht. Manchmal klappt es auch umgekehrt: über den Abschied vom Gegenstand gelingt der Abschied von dem was dahinter steckt.

Manche meiner Kunden sind bereit, sich ganz umfassend zu befreien. Sie haben eine genaue Vorstellung davon, wie ihr Wohnraum aussehen soll. Die allermeisten schützen sich jedoch mit einer großen Menge „aber“. Meistens ist ihnen selbst klar, dass sie Ausflüchte benutzen. Mit der Zeit gelingt es uns, diese Ausflüchte auszuhöhlen und zum eigentlichen Kern des Widerstands zu kommen.

Was ist wenn….?

Ja, in der Tat, wer kann schon wissen, ob man dies und das nicht eines Tages noch wird brauchen können. Wird dieses Argument jedoch für fast alles ins Feld geführt, was beim Ausmisten zur Debatte steht, handelt es sich um eine Ausrede. Die Frage „wann haben Sie es zuletzt verwendet“ bringt in diesem Fall manchmal ein Aha-Erlebnis. Manchmal folgt der Antwort ein „Aber“ und ich weiß dann, dahinter steckt Angst. Angst in der Zukunft nicht 100%ig vorbereitet zu sein.

Nehmen wir z.B. an ich bin gerade dabei eine Küche auszumisten. Alle Töpfe sind auf dem Tisch versammelt – in Summe 16 Stück. Jede Größe ist mehrfach vorhanden. Das Angstszenario sieht dann vielleicht so aus: was ist, wenn ich ein großes Essen gebe, mit 12 Gästen. Ich brauche vielleicht zwei Töpfe für ein Gemüsegericht. Drei Pfannen – eine für Fleisch, eine für Fisch und eine für den Notfall. Einen sehr großen Topf für Kartoffeln oder Nudeln und und und. Am Ende wurde für jeden Topf ein Grund gefunden, ihn nicht auszumisten.

Was ist, wenn ich dann genau diese Töpfe nicht habe? Ja, was ist dann?

Wenn ich auf solche Angstszenarien treffe, gehe ich mit meinen Kunden genau diese Situation bis zum Ende durch. Wir durchleben quasi einmal diese Vorstellung und versuchen rauszufinden, was die Lösung sein könnte. Also: wie mache ich ein großes Essen für 12 Personen mit nur sechs Töpfen. Der Sinn hinter dieser Übung ist, meinen Kunden Vertrauen in ihre Fähigkeit zu geben, ungewöhnliche Situationen lösen zu können. Auch wenn sie nicht auf alle Lebenslagen perfekt vorbereitet und für alle Eventualitäten lückenlos ausgerüstet sind. Je öfter wir diese Übung machen, desto mehr gewinnen meine Kunden an Selbstvertrauen. Irgendwann können wir dann auch gemeinsam die tollsten Szenarien austüfteln und uns dabei großartig amüsieren.

By | 2017-10-11T14:01:48+00:00 Januar 11th, 2017|Categories: Tipps|

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