Meine Arbeit als Aufräumcoach: Wunder leider nicht inklusive

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Meine Arbeit als Aufräumcoach: Wunder leider nicht inklusive

Aufräumen Hilfe

Von außen sieht man Auswege oft leichter

Was passiert, wenn’s passiert

Darüber hätte ich ja wirklich schon viel früher schreiben können. Denn das ist die Frage, die alle umtreibt, die sich zum ersten Mal mit mir in Verbindung setzen. Wie läuft das eigentlich ab, wenn ich komme? Was passiert, wenn man sich beim Aufräumen Hilfe holt?

Bevor ich erzähle, was passiert, will ich aber ganz klar sagen, was garantiert nicht passiert.

Wunder werden nicht wahr

Zumindest nicht die Art Wunder, wie sie sich manche wünschen würden: wo alles von selbst passiert, wo ein anderer (in dem Fall ich) die volle Verantwortung für die Entscheidungen übernimmt, wo keine Anstrengung vonnöten ist, wo das Ziel ohne Weg dorthin erreicht wird.

Vielleicht denken Sie jetzt „Ist doch klar!“ Aber ich schreibe das, weil ich die Erfahrung bereits gemacht habe. Ein Interessent hat das auch mal genauso geäußert: „Ich wünsche mir, dass Sie wie eine Fee alles für mich in Ordnung bringen.“ Als ich ihm erklärt habe, dass das unter seinen Bedingungen nicht funktionieren würde, konnte er sich auch nicht dazu durchringen, mit mir zu arbeiten. Obwohl kalendarisch erwachsen, verharrte er in einer fast kindlichen Haltung, die auf die Rettung von außen wartet. Konkret wollte er alle seine Sachen behalten und gleichzeitig Ordnung und Übersicht. Er hoffte, ich sei im Besitz eines geheimnisvollen Ordnungssystems, dass all seine Habe strukturieren könnte. Vergeblich.

Was aber können meine Kunden und Kundinnen von mir erwarten? Und wie läuft so eine Aufräumeinheit ab?

Aufräumen – Hilfe! Das können Sie von mir haben

Zumeist komme ich vorab zu einem Erstgespräch zu den Interessenten. Fast alle empfangen mich mit den Worten „ich hab‘ jetzt nicht aufgeräumt“, was mich immer noch zum Schmunzeln bringt. Dann machen wir einen Rundgang durch Wohnung/Haus/Büro. Während ich mir so ein Bild machen kann, entstehen schon die ersten Ideen in meinem Kopf, die wir dann gemeinsam besprechen. Bei diesem ersten Treffen – und auch später – ist es ganz unterschiedlich, was mir meine Kunden über sich erzählen. Viele sind sehr offen und wollen erklären, warum es ihnen so schwer fällt – die Sache mit der Ordnung. Andere bleiben zurückhaltend und möchten einfach nur arbeiten.

Da es mir wichtig ist, dass es nach jeder Einheit einen wirklich sichtbaren Erfolg gibt, definieren wir immer einen Bereich, der in der vereinbarten Zeit zu schaffen ist. Natürlich hängt unser Arbeitsfortschritt immer davon ab, wie entscheidungsfreudig meine Kunden sind und um welchen Bereich wir uns kümmern. Für die eine sind Bücher ganz leicht auszusortieren, aber die Urlaubssouveniers eine echte Herausforderung. Einem anderen gelten Bücher als unantastbar, Erinngerungsstücke vergangener Reisen dagegen landen völlig emotionslos im Mist.

Dranbleiben

Dranbleiben heißt, auch bei schwierigen Entscheidungen keine Umwege suchen. Jede Entscheidung sollte nur einmal getroffen werden. Es gibt sie natürlich immer, die „Vielleicht-Kiste“. Aber sie sollte klein bleiben und mit jeder Arbeitseinheit immer weniger notwendig. Denn die „Vielleicht-Kiste“ muss ja nochmal bearbeitet werden. Ich versuche also, meine Kunden in die Entscheidungsverantwortung zu nehmen. Ja, das ist anstrengend für sie. Aber sie bekommen mit jeder endgültig getroffenen Entscheidung mehr Selbstsicherheit und mehr Routine. Das kann ich immer und immer wieder feststellen.

Dranbleiben heißt aber auch, keine Tabus zu bestimmen. Ein übervoller Bücherschrank, Büchertürme auf dem Boden und auf allen Ablageflächen, dürfen nicht mit dem Satz „Meine Bücher sind mir heilig“ ausgeblendet werden. Ein verantwortlicher Umgang mit dem Besitz und dem Wohnraum macht zumindest eine Bestandsaufnahme nötig.

Es gibt immer einen Zeitpunkt, an dem ich mit meinen Kunden plötzlich doch auch die Bereiche angehen kann, die als unanstastbar postuliert wurden. Meist haben wir davor schon andere Räume erfolgreich in Ordnung gebracht. Der Erfolg macht sie mutiger. Die Neugier darauf, wie ich es denn wohl anstelle, sie durch die Sichtung der Tabuzone zu begleiten, gibt ihnen einen Ruck.

Diskretion

Was mir meine Kunden anvertrauen, bleibt immer unter uns. Das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird, die privaten Einblicke, die sie mir gestatten, sind ein großes Gut in unserer Zusammenarbeit. Keine Frage, dass ich dieses Vertrauen nicht nur schätze, sondern auch schütze.

Sehr oft sortiere ich die Papiere meiner Kunden. Teilweise Stapel, die sich über Jahre angesammelt haben und in großen Kisten ungeordnet verstaut sind. Ungeöffnete Briefe, Kontoauszüge, Gerichtsbeschlüsse – eben alles, was das Leben an Schriftverkehr so zu bieten hat. Der Inhalt ist für mich beim Sortieren völlig unwichtig: welchen Betrag der Kontoauszug ausweist, muss ich nicht wissen. Mich interessiert das Datum. Was genau im Gerichtsbeschluss steht, muss ich nicht wissen. Mir reicht die Betreffzeile. Welche Gegenstände zu welchem Wert versichert werden, muss ich nicht wissen. Mir reicht die Kategorie „Haushaltsversicherung“.

Fokussierung

Eine große Herausforderung ist es immer, über einen längeren Zeitraum konzentriert zu bleiben. Es ist eine anstrengende Sache, den vielen Entscheidungen gegenüber zu stehen, die sich über die Jahre angesammelt haben. Z.B. in Form nie ausgemisteter Kinderkleidung; oder als verstreuter Krimskrams, der sämtliche Ablage- und Arbeitsflächen verstellt; oder als ein Schrank voller angefangener Hobbyprojekte. Nein, es ist beleibe keine leichte Aufgabe. Und sie ruft nach Ablenkung.

Viele haben deshalb auch die Erfahrung gemacht, dass sie zwar stundenlang herumräumen, am Ende aber nichts passiert ist. Sie verzetteln sich. Springen von hier nach da. Suchen sich eine Aufgabe, die leichter erscheint. Aber nein, auch die erfordert Entscheidungskraft und konfrontiert mit unangenehmen Gefühlen. Also weg und zur nächsten Aufgabe…

Meine Kunden fokussiert zu halten, immer wieder zurück zur Ursprungsaufgabe zu holen, ist eine meiner wichtigsten Aufgaben. Nicht nur kommen wir anders nicht voran, es hat sehr oft auch einen anderen Effekt: die Gefühle, die dem Widerstand zugrunde liegen, werden nach und nach offenbar. Dadurch ist viel gewonnen. Denn aus dem „ich will nicht“ oder „ich kann nicht“, dass ja völlig handlungsunfähig macht, tritt etwas Greifbares hervor. Etwas, dass den Widerstand verständlicher macht.

Aufmerksamkeit

Jeder und jede meiner Kunden braucht etwas anderes. Die einen benötigen nur einen kleinen Schubs, ein paar Fragen und schon geht’s los. Andere wollen zu jedem Stück etwas erzählen, bevor sie eine Entscheidung treffen können. Manche brauche einfach nur diesen verbindlichen Termin mit mir und haben mit Entscheidungen überhaupt keine Schwierigkeiten. Manche brauchen immer mal wieder eine Pause, andere sind so beflügelt, dass sie noch eine Stunde dranhängen wollen. Was auch immer es ist, ich versuche es rauszufinden. Da ich ja – wie bereits erwähnt – keine Fee bin, mach ich manchmal das Einfachste: ich frage. Ich frage meine Kunden, was sie jetzt brauchen. Sehr zu meinem Erstaunen, begegnet mir dabei immer wieder verblüfftes Schweigen. Zu wissen was man wirklich braucht, auch das ist eine gar nicht leichte Aufgabe. Aber ich habe Geduld.

Tipps

Neben all dem gibt es natürlich einfach auch eine Fülle an praktischen Tipps, mit denen ich helfe: wie sollte eine Küche effizient sortiert sein; wo kann man was verschenken; wie sollten Ablageordner systematisiert sein; was hilft meinen Kindern im Kinderzimmer Ordnung zu halten; wie kann ich meinen Tagesablauf besser planen.

Alles zusammen gibt dann am Ende manchmal doch so etwas wie ein kleines Wunder.

 

By | 2017-10-11T11:51:11+00:00 September 5th, 2017|Categories: Tipps|

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