Wozu Ordnung? Ich hätte da ein paar Fragen an Sie

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Wozu Ordnung? Ich hätte da ein paar Fragen an Sie

Wer braucht schon Ordnung?

Manchmal muss man seine Konzepte auch auf den Kopf stellen. Vermeintlich unsinnige Fragen stellen, um dem zaudernden „Ich“ ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Absurde Vorstellungen mal ganz bis zum Ende denken, damit man der „Wenn xy passiert, dann geh ich’s aber richtig an“ Lüge auf die Schliche kommt.

Wiener Linien – aufgeräumt

 

 

 

 

 

 

Die Preisfrage heute lautet deshalb: Warum denn überhaupt Ordnung haben?

Ja, richtig. Wozu Ordnung haben? Es gibt kein Gesetz, dass uns Ordnung vorschreibt. Es ist nicht einmal klar, was Ordnung überhaupt bedeutet. Vielleicht macht uns nur die Vorsilbe „Un“ ein unangenehmes Gefühl. Man könnte es ja mal mit einer Umformulierung versuchen: statt „Unordnung“…. äh…. naja…..

In meinen Kopf tut sich da nichts.

Ich habs probiert, mir ist kein griffiges Wort eingefallen. Falls Sie einen Vorschlag haben, ich bin wirklich neugierig.

Jetzt mal ehrlich

Also gut, dann lege ich mal drauf los und wende mich damit hauptsächlich an die Zauderer, die Aufschieberinnen, die „Aber“-Sager und „Später“-Denker: Wollen Sie überhaupt Ordnung?

Wenn Sie meine Frage lesen, welchen Tonfall hat Ihre innere Stimme? Eher genervt, oder wohlwollend? Das ist ein wichtiger Hinweis zu Ihrer Motivation und Ihren inneren Widerständen. Aber dazu später.

Spontan würde ich natürlich sagen: „Klar wollen Sie Ordnung. Sonst wären Sie ja nicht auf meiner Seite“. Ich denke, da sind Sie mit mir einer Meinung. Dennoch kommen Sie vielleicht immer wieder an einen Punkt, an dem Ihr innerer Widerstand so übermächtig ist, dass Sie entweder gar nicht ins Tun kommen, oder auf halber Strecke aufhören – weil es ja eh nichts bringt. Immerhin, in Gedanken bleiben Sie dran. Aber gut fühlt sich das wahrscheinlich nicht an. Ich stelle mir das eher wie eine üble Grübelspirale vor. Reinschlittern tut man leicht, aber sich daraus befreien ist jedesmal eine wahrlich mühsame Angelegenheit.

Wollen

Wollen ist etwas anderes als Wünschen. Wünschen darf man sich alles. Aber fürs Wollen ist auch Ihr Engagement gefragt. Ihr Wille. Das hört sich doch schon gleich anders an: „Habe ich den Willen, Ordnung zu schaffen?“ Fragen Sie sich das laut (wenn Sie sich trauen, auch wenn Sie jetzt gerade in der U-Bahn sitzen). Was sagt Ihr Bauch dazu? Welche Bilder steigen in Ihnen auf?

Der Bauch

Ich bin ein großer Fan des Bauchgefühls. Nicht nur, weil ich beim Ausmisten damit gute Erfahrungen gemacht habe, sondern auch, weil der Bauch es einfach gut mit uns meint. Schließlich ist er unser Bauch und nicht der vom Nachbarn.

Also: was sagt Ihr Bauch, wenn Sie sich fragen „Habe ich den Willen, Ordnung zu schaffen?“. Vielleicht sagt er gar nix. Das könnte daran liegen, dass er ganz perplex ist, weil er überhaupt mal gefragt wird. Dann seien Sie geduldig und fragen nochmal.

Wenn Ihre Mitte Ihnen ein positives Signal gibt, dann wollen Sie Ordnung. Sie sind sich wohl auch im Klaren darüber, dass Sie dafür aus Ihrer Komfortzone treten sollten, dass Sie sich Ihren Widerständen und Ängsten stellen werden.

Wenn es Sie eher zwickt, dann wünschen Sie sich zwar eventuell mehr Ordnung, aber ohne die unangenehmen Begleiterscheinungen. Das wird – ich sag es mal wieder – nicht gehen. Ich vermute mal, dass der Tonfall Ihrer inneren Stimme bei meiner Eingangsfrage genervt klang. Da kommt dann einiges zusammen: die fehlende Bereitschaft zur Veränderung etwas beizutragen UND der Zorn auf sich selbst. Ob das Erste das Zweite bedingt, oder umgekehrt, könnte erhellend sein, ist aber nicht wirklich von Belang. Tatsache ist: das sind zwei ordentliche emotionale Betonschuhe, die Sie anhaben.

Raus aus den Betonschuhen

Der erste Schritt, aus den Betonschuhen zu steigen, ist sich überhaupt mal klar zu machen, dass und welche Sie anhaben.

Warum windet sich alles in Ihnen, wenn Sie daran denken, etwas für Ihre Ordnung zu tun? Haben Sie Angst? Wovor? Was würde passieren, wenn Sie endlich Ordnung haben? Was haben Sie davon, dass es unordentlich bei Ihnen ist? Was haben Sie davon, Ihr Ordnungsprojekt immer wieder aufzuschieben (ich versichere Ihnen, es gibt da einen Vorteil, sonst würden Sie es ja dauernd aufschieben)?

Mit diesen Fragen können Sie Ihren Widerständen auf die Spur kommen. Und wenn Sie Ihre Widerstände erkennen, dann können Sie auch etwas anderes erkennen: es sind nicht Sie, die der Ordnung im Weg stehen, es sind Ihre Widerstände. Wenn Sie es schaffen, das eine vom anderen zu trennen, sich nicht mehr mit Ihren Widerständen zu identifizieren, dann ist eine Änderung greif- und machbar.

Nun zum zweiten Punkt: Warum sind Sie zornig auf sich? Stecken enttäuschte Erwartungen dahinter? Eigene Erwartungen oder Erwartungen anderer? Was bräuchten Sie, um Ihren inneren Tonfall von „genervt“ auf „wohlwollend“ zu ändern?

Der Zorn auf uns selbst kann uns antreiben, aber dann ist er nur kurz und aktivierend. Ein unaufhörlich an uns sägender Zorn ist einfach nur energieraubend. Es lohnt sich wirklich sehr, da genauer hinzuschauen.

Sie

Wer will denn eigentlich Ordnung bei Ihnen zu Hause? Sie? Ihr Partner? Ihre Eltern? Ordentliche Freunde?

Sie wollen? Dann können Sie sicher aus dem Stand mehrere Gründe nennen, warum. Sie wollen Ordnung für sich. Weil es Ihnen gut tut.

Kommen andere Personen in Ihren Begründungen vor, dann nur, weil auch Sie selbst einen positiven Effekt spüren. Also: „Meinem Partner ist es wichtig, und wir haben dann ein harmonischeres Zusammenleben“. Anstatt: „Meinen Partner macht meine Unordnung ganz unglücklich und ich habe ständig ein schlechtes Gewissen.“

Ich finde es richtig und wichtig, das gemeinsame Wohl im Blick zu haben. Der entscheidende Unterschied bei den obigen Beispielen ist, dass im ersten Satz Sie und Ihr Partner Teil davon sind, im zweiten nur Ihr Partner (was dann kein gemeinsames Wohl mehr ist). Versuchen Sie herauszufinden, was Sie davon haben, wenn Sie für Ordnung sorgen. Wenn Sie aufhören, die Begründung bei anderen zu suchen, können Sie beginnen Verantwortung zu übernehmen.

Nach so viel schweren Fragen, noch was Amüsantes zum Abschluß: Wie „lustig Aufräumen“ geht, zeigt der Schweizer Urs Wehrli ganz hervorragend.

 

By | 2017-09-29T10:44:57+00:00 September 27th, 2017|Categories: Tipps|

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