Ausreden ausmisten Nr. 3: Das ist noch was wert

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Ausreden ausmisten Nr. 3: Das ist noch was wert 2017-09-05T10:55:25+00:00

Wohin mit den Münzen?

Vom Wert und vom Nutzen

„Das ist noch was wert“ und „Das war teuer“. Diese beiden Sätze waren lange Zeit für mich eine Zeichen für die Unantastbarkeit von Gegenständen. Alles was mit einem dieser beiden Sätze kommentiert wurde, stand außer Diskussion. Sie hatten die gleiche Wirkung wie „Das erinnert mich an…“. Meine Bereitschaft meine Kunden aus der Entscheidungsverantwortung zu entlassen war grenzenlos.

Heute weiß ich: es ist stimmt und stimmt doch auch nicht.

Materieller Wert und persönlicher Nutzen

Es stimmt. Viele der Dinge, über die ich gemeinsam mit meinen Kunden entscheide, haben noch einen materiellen Wert.

Es stimmt nicht. Der Wert für den Kunden ist bereits seit langem Null.

Es sind die verschiedensten Dinge, die unter dem Wert-Vorwand am liebsten ganz schnell wieder in irgendeine ferne Ecke gesteckt werden: Voluminöse Küchengeräte (nie verwendet), Kleidung (noch mit dem Verkaufsetikett versehen und über Jahre den Schrank verstopfend), Handtaschen (im untersten Fach des Schrankes richtiggehend zusammengeknüllt), ungelesene Bücher und ungesehene DVDs (noch in der Plastikverpackung oder sogar in der Versandverpackung), Lebensmittel und Drogerieartikel (gebunkert wie zur Katastrophenvorsorge), Tschiboismen der unterschiedlichsten Kategorien (Tücher, Küchenuntensilien, Ordnungsboxen….), Silberbestecke und Münzensammlungen (zumeist geerbt, nie begutachtet und ohne Verwendung).

Wir neigen dazu, den materiellen Wert über den persönlichen Nutzen zu stellen. Und ich kann das verstehen. Denn es gehört sehr viel Gleichmut dazu, dem Geld, dass man durch Fehl- oder Frustkäufe in den Sand gesetzt hat nicht anzuhaften. Wenn wir Geld für etwas ausgeben, wollen wir im Gegenzug möglichst viel Nutzen daraus ziehen. Es gehört auch – mal wieder – sehr viel Ehrlichkeit zu sich selbst dazu, sich einzgestehen, dass dieses oder jenes Stück eine Fehlinvestition war.

Unser Besitz konfrontiert uns

Eigentlich ist es ganz einfach: der materielle Wert eines Gegenstands ist ja ganz willkürlich. Zu einem bestimmten Zeitpunkt festgesetzt vom Verkäufer und von uns für akzeptabel befunden. Der Wert für uns selbst wird auch nur durch uns selbst bestimmt – indem wir die Gegenstände verwenden und sie dadurch einen Nutzen erfahren.

Fragen Sie sich immer: welchen Nutzen habe ich von XY? Seien Sie ehrlich und winden Sie sich nicht um Antworten herum. Wenn ich Nutzen meine, dann meine ich auch regelmäßigen Nutzen. Eine riesige Eismaschine, die Sie zweimal im Jahr verwenden, die Ihnen aber den Rest des Jahres wertvollen Platz verstellt und Ärger hervorruft, ist so eine Kandidatin. Ja, vielleicht war sie teuer und es reut Sie, das Geld unüberlegt ausgegeben zu haben. Aber vielleicht ist es dann jetzt an der Zeit, Verantwortung für den Fehlkauf zu übernehmen. Trauen Sie sich! Fehlentscheidungen sind unsere ständigen Lebensbegleiter. Sie sind eine Möglichkeit zu lernen und kein Grund sich vor weiteren Entscheidungen zu drücken.

Teure Anschaffungen ohne Wert

Bleiben wir bei der Eismaschine. Als Sie sie gekauft haben, dachten Sie vielleicht, Sie würden tolle Geschmackskreationen erfinden; regelmäßig Freunde zum Eis essen einladen; gesundes Eis für Ihre Kinder selbst herstellen. Was auch immer Sie vorhatten, der Gedanke daran hat sich sehr gut angefühlt. Nun hat es sich herausgestellt, dass die Maschine vielleicht total umständlich sauber zu machen ist und Sie sie deshalb gar nicht gerne benutzen. Jetzt steht sie herum und erinnert Sie an Ihre Vorhaben und an das Geld, das Sie dafür ausgegeben haben. Und jetzt fühlt es sich auf einmal gar nicht mehr gut an. Der materielle Wert und der persönliche Wert stimmen nicht überein.

Jetzt stellt sich die Frage: was ist für Ihr Leben wichtiger: der materielle Wert, den der Verkäufer hat oder der persönliche Wert, der ja negativ ist? Ich bin sicher, ich kenne Ihre Antwort. Was jetzt noch fehlt, ist die Entscheidung und die Umsetzung der Entscheidung.

Dinge von großem materiellen Wert

In vielen Haushalten gibt es Dinge, die tatsächlich einen großen materiellen Wert besitzen: antike Möbel, Münzsammlungen, Schmuck, Teppiche. Manches davon haben meine Kunden schon längst vergessen. Wenn ich es dann aus der hintersten Schrankecke hole, merke ich an ihren Reaktionen selten Freude. Vielmehr sind sie ein einziger, ermüdeter Seufzer. Ich sehe dann förmlich die Fragen, die ihnen durch den Kopf gehen. „Was könnte das wert sein? Wer wird mir eine ehrlich Schätzung geben? Wieviel Arbeit wird es mich kosten, mich darum zu kümmern?“. Wenn sich mehrere wertvolle Gegenstände sammeln, empfehle ich die Anfrage in einem Auktionshaus und zusätzlich zwei Antiquitätshändlern.

Klarheit gewinnen

In verwirrenden Situationen, in denen wir eine Entscheidung treffen wollen, finde ich es hilfreich, sich mit folgenden Fragen Klarheit zu schaffen:

  • Was passiert, wenn ich es tue?
  • Was passiert, wenn ich es nicht tue?
  • Was passiert nicht, wenn ich es tue?
  • Was passiert nicht, wenn ich es nicht tue?

Probieren Sie es aus. Vielleicht am Anfang mit Dingen, die Ihnen ohnehin weniger Kopfzerbrechen bereiten. Wie bei allem – und ich werde nicht müde, es zu wiederholen – kann man auch das üben.