Rou­ti­nen ent­wi­ckeln: 7 Schritte, die mir hel­fen

Neue Rou­ti­nen – Dran­blei­ben lohnt sich

Im letz­ten Bei­trag habe ich Tipps ange­kün­digt, wie man Rou­ti­nen ent­wi­ckeln kann. Ich habe auch von unse­ren 8 Ord­nungs­rou­ti­nen erzählt. Die sind inzwi­schen so fel­sen­fest in unse­rem Fami­li­en­all­tag ver­an­kert, dass wir sie auch mal kurz­fris­tig schlei­fen las­sen kön­nen. Die Wäsche wird viel­leicht mal zwei Tage nicht abge­hängt – kein Drama, weil alles andere passt. Viel­leicht lasse ich auch mal die halb­jähr­li­che Klei­der­schau aus. Macht nix. Davon quillt mein Klei­der­schrank nicht über.
Kopf­schmer­zen am Abend? Viel zu viel geges­sen? Erst spät aus dem Park heim­ge­kom­men, weil es ein­fach so lus­tig war? Dann wird die Spül­ma­schine eben erst mor­gen früh aus­ge­räumt.

Die Aus­nah­men blei­ben Aus­nah­men. Sie berei­ten uns kein Kopf­zer­bre­chen und brin­gen nicht alles völ­lig durch­ein­an­der. Wir kön­nen uns dar­auf ver­las­sen, dass wir schnell wie­der auf Spur kom­men.

Die Magie von Rou­ti­nen besteht darin, dass man sie nicht in Frage stellt und sie genau des­halb kaum Ener­gie kos­ten. Rou­ti­nen ent­wi­ckeln ist ein län­ge­res Pro­jekt. Aber wenn sich die Magie mal ein­stellt, sind sie tolle Hel­fer.

Das Konto der guten Erfah­run­gen muss gefüllt wer­den

Aber warum stellt man Rou­ti­nen nicht in Frage? Weil man über einen län­ge­ren Zeit­raum fast aus­nahms­los gute Erfah­run­gen mit ihnen gemacht hat. Diese Erfah­run­gen sind quasi wie ein Bank­konto. Jede neue gute Erfah­rung lan­det auf die­sem Konto und arbei­tet für uns. (Jaja, ich weiß schon der Ver­gleich hinkt wie noch nie ein Ver­gleich gehinkt hat. Zin­sen ein Witz – da tut sich gar nix auf dem Bank­konto. Aber als Bild funk­tio­niert der Ver­gleich trotz­dem.)

Mit jeder neuen guten Erfah­rung, ver­fes­ti­gen wir unsere neue Wunsch­ge­wohn­heit. Haben wir eine bestimmte Summe an posi­ti­ven Erfah­run­gen gesam­melt, wol­len wir auf das posi­tive Ergeb­nis oder das gute Gefühl nicht mehr ver­zich­ten. Der Auf­wand erscheint gering, ver­gli­chen mit dem was wir dafür erhal­ten. Wenn nicht gering, so auf jeden Fall der Mühe wert. Mehr braucht es nicht, um jedes Mal von Neuem in die Gänge zu kom­men.

Wenn wir neue Rou­ti­nen ent­wi­ckeln, ist der Anfang aller­dings haa­rig – eben weil wir noch nicht so genau wis­sen, ob sich der Auf­wand lohnt. Ob das Ergeb­nis wirk­lich so gran­dios ist, oder wir uns wirk­lich viel bes­ser füh­len.

7 Punkte, wie Sie Rou­ti­nen ent­wi­ckeln

Da hilft nur eins: dran­blei­ben und die neue Rou­tine immer wie­der tes­ten. Regel­mä­ßig über einen län­ge­ren Zeit­raum. Die meis­ten Rat­ge­ber spre­chen von 6 Wochen. Ich rate mei­nen Kun­dIn­nen min­des­tens 3 Monate durch­zu­hal­ten. Bes­ser noch ist ein hal­bes Jahr. Denn dann sind auch ein paar Hän­ger drin, ohne dass man gleich das ganze Pro­jekt kom­plett abbricht.

Wol­len Sie eine neue Rou­tine ent­wi­ckeln? Ich fahre sehr gut mit die­ser 7‑Punkte Stra­te­gie.

  1. Das “Warum” klä­ren

    Bei mir klärt sich die Frage nach dem “Warum” meist, weil ich etwas bestimm­tes nicht mehr will. Meist ist es ein­fach ein ungu­tes Gefühl, das ist los­wer­den möchte. Ich frage mich dann: wel­ches Gefühl möchte ich statt­des­sen haben. So erkenne ich ganz schnell, wel­che mei­ner Gewohn­hei­ten ich dafür ändern kann (ganz wich­tig: kann und nicht muss. Ich sehe es als eine Mög­lich­keit, ein Geschenk – nicht als eine Pflicht). Nur wenn Sie die­sem posi­ti­ven Gefühl wirk­lich nach­spü­ren kön­nen, hat es Sinn sich auf den Weg zu machen. Klä­ren Sie also gründ­lich, ob die Moti­va­tion viel­leicht nur von außen kommt. Machen Sie es sich aber nicht zu leicht.
    Ein Bei­spiel: Sie und Ihr Part­ner strei­ten stän­dig wegen der Unord­nung. Nun könn­ten Sie ein­fach den­ken “Na, wenn ich mir angwöhne, meine Sachen gleich weg­zu­räu­men, dann ändere ich meine Gewohn­heit ja nur für mei­nen Part­ner” (was im Übri­gen auch nicht sooo ver­werf­lich wäre). In dem Fall wür­den Sie nicht mit einem posi­ti­ven Gefühl belohnt. Wenn Sie näher dar­über nach­den­ken, könn­ten Sie zu dem Schluss kom­men, dass Ihre Moti­va­tion zwar nicht ein Plus an Ord­nung, aber ein Plus an Har­mo­nie sein könnte. So hät­ten Sie eine Moti­va­tion gefun­den, die wirk­lich aus Ihrem Inne­ren kommt. Also: ruhig ein wenig gra­ben.

  2. Ambi­tio­niert und rea­lis­tisch pla­nen

    Wer etwas will, braucht Ambi­tion. Aber kei­nen Druck. Im Aus­ta­rie­ren zwi­schen posi­ti­ver Ambi­tion und nega­ti­vem Druck liegt die Kunst. Ihre anfäng­li­che Eupho­rie wer­den Sie nicht sehr lange hal­ten kön­nen. Dar­auf soll­ten Sie gefasst sein. Das ist nor­mal. Jetzt heißt es, den Schwund an Schwung nicht zu ernst zu neh­men. Eigent­lich geht es jetzt erst rich­tig los. Sobald Sie ein paar Mal Ihrer neuen Wunsch­ge­wohn­heit auch ohne Schwung nach­ge­gan­gen sind, zah­len Sie auf das Konto ein.
    Für zeit­in­ten­si­vere Pro­jekte wird es unter Umstän­den nötig sein, eine zeit­lang auf etwas ande­res zu ver­zich­ten. Über­le­gen Sie schon vor­her, was das sein könnte. Der Zufall (“wenn ich mal Zeit habe”) wird Ihnen garan­tiert nicht zur Hilfe kom­men. Ist die Gewohn­heit erst in Ihnen ver­an­kert, wer­den Sie den Ver­zicht gar nicht mehr als Ver­zicht emp­fin­den.

  3. Umge­wöh­nen statt abge­wöh­nen

    Ach­ten Sie auf Ihren inne­ren Dia­log: Sie gewöh­nen sich nicht etwas ab, son­dern Sie gewöh­nen sich etwas an. Manch­mal sind wir wirk­lich so ein­fach gestrickt: wenn wir etwas her­ge­ben sol­len, selbst wenn es eine fürch­ter­lich ner­vige Gewohn­heit ist, wer­den wir wie Klein­kin­der, die den Sand­ei­mer nicht los­las­sen wol­len.

  4. Hin­der­li­che Aus­lö­ser erset­zen

    Eine der größ­ten Hür­den – wenn nicht die größte – ist es ein­fach in die Gänge zu kom­men. Wenn es Ihnen immer wie­der pas­siert, dass Sie sich nicht auf­raf­fen kön­nen, machen Sie sich auf die Suche nach dem stö­ren­den Aus­lö­ser. Die­ser Aus­lö­ser bringt Sie auto­ma­tisch von Ihrem Vor­ha­ben ab. Erst wenn Sie die­sen fie­sen Trig­ger ken­nen, kön­nen Sie ihn erset­zen.
    Ein Bei­spiel: Ihr Vor­ha­ben ist es, sich mor­gens mehr Zeit fürs Früh­stück zu neh­men. Sie haben schon zu oft mit knur­ren­dem Magen und unkon­zen­triert in Bespre­chun­gen aus­ge­harrt. Sie wis­sen: bis ich meine Gewohn­heit eta­bliert habe, werde ich dar­auf ver­zich­ten, 3mal die Schlum­mer­taste zu drü­cken. Das genau ist auch der stö­rende Aus­lö­ser: der Griff im Halb­schlaf.
    Sie brau­chen also einen neuen Aus­lö­ser, der Ihnen hilft gleich auf­zu­ste­hen. Das kön­nen Sie errei­chen, indem Sie Ihr Handy/​Wecker nicht neben dem Bett haben. Hilf­reich könnte es zudem sein, bereits am Abend den Früh­stücks­tisch zu decken.

  5. Hän­ger ein­pla­nen

    In jedem Rat­ge­ber steht: Hän­ger gehö­ren dazu. Aber wie schaf­fen Sie es, sich tat­säch­lich nicht von Hän­gern demo­ti­vie­ren zu las­sen? Ich plane meine Hän­ger ein. Ich erlaube mir eine bestimmte Menge an Jokern. Wenn ich sie dann nicht ver­wen­det habe – Schul­ter­klop­fen.
    Wenn ich den Joker ver­wende, merke ich meis­tens, dass sich das nur kurz­fris­tig (aaaach – faul sein) gut anfühlt. Den nega­ti­ven Bei­geschmack ver­dränge ich nicht. Im Gegen­teil, ich lasse ihm Raum, damit ich mich das nächste Mal gut dran erin­nern kann. Dann kann ich ja ent­schei­den: was von bei­dem möchte ich lie­ber haben?

  6. Funk­tio­nie­rende Rou­ti­nen zum Vor­bild neh­men

    Wel­che Rou­ti­nen haben Sie bereits? Wie haben Sie die eta­bliert? Was haben Sie von die­sen Rou­ti­nen? Was Sie ein­mal hin­ge­kriegt haben, klappt auch ein wei­te­res Mal.

  7. Ver­ant­wor­tung über­neh­men

    Über­neh­men Sie Ver­ant­wor­tung für Ihr Vor­ha­ben, über­neh­men Sie Ver­ant­wor­tung für Hän­ger. Aber am Wich­tigs­ten: über­neh­men Sie Ver­ant­wor­tung für die Erfolge, wenn Sie neue Rou­ti­nen ent­wi­ckeln.
    Ein Erfolg ist es jedes­mal, wenn Sie
    – sich auf­ge­rafft haben
    – das ange­strebte Gefühl erle­ben
    – einen Joker nicht ver­wen­det haben
    – Freude an der Rou­tine emp­fin­den.

    Das alles kommt nicht von selbst. Das ern­ten Sie, weil Sie etwas dafür tun!

Hart­nä­ckige Gewohn­hei­ten brau­chen noch län­ge­ren Atem

Mein per­sön­li­ches Pro­jekt ist es gerade, meine Abende akti­ver zu ver­brin­gen und weni­ger fern zu sehen. Es ist wirk­lich ziem­lich ver­trackt. In mei­ner Kind­heit gehörte das abend­li­che Fern­se­hen abso­lut zum Tagesende. Ich habe es also als “so ent­spannt man sich” abge­spei­chert. Diese Gewohn­heit ist eine echt harte Nuss. Wir haben des­halb z.B. auch kein Kabel­fern­se­hen, kein Net­flix oder Ama­zon Prime, weil ich es mir damit noch schwe­rer machen würde.

Meine harte Nuss

  1. Mein Warum: ich mag das Gefühl nicht, die Zeit tot geschla­gen zu haben. Es macht mich unzu­frie­den.
  2. Wir schauen Filme, die ich gezielt aus­su­che. Dafür gehe ich in die Büche­rei (ja tat­säch­lich. Eine Freun­din hat mich des­we­gen sogar schon aus­ge­lacht). Dadurch wer­den die Mög­lich­kei­ten auto­ma­tisch weni­ger. Der Tat­ort am Sonn­tag wird auch nicht gestri­chen.
  3. Ich schaffe mit eine Palette an neuen Mög­lich­kei­ten, den Tag zu been­den.
  4. Mein Aus­lö­ser ist, wenn die Kin­der im Bett sind. Dann fahre ich kom­plett run­ter – auto­ma­tisch. Ich umgehe ihn (nein, nicht indem die Kin­der nicht mehr schla­fen dür­fen), indem ich mir schon vor­her etwas andere zurecht­lege: ich ziehe mein Sport­kla­mot­ten an oder lege mei­nen Zei­chen­block zurecht; ich habe immer ein Sach­buch zuhause. Inters­san­ter­weise schlafe ich dar­über nicht ein. Bei Roma­nen bin ich nach spä­tes­tens einer hal­ben Stunde weg.
  5. Der Sonn­tag ist ja bereits besetzt. Wenn dann noch­mal maxi­mal 2 Tage dazu­kom­men, ist das für mich ok.
  6. Meine Top-Rou­tine ist das Lau­fen. Das mache ich seit Jahr­zehn­ten. Was ich ein­mal geschafft habe, schaffe ich noch­mal.
  7. Jedes­mal wenn ich zufrie­den ins Bett gehe, weil ich keine Zeit vor dem Fern­se­her ver­plem­pert habe, habe ich das allein mir zu ver­dan­ken!
    Jeden Abend, wenn ich nach einem Hän­ger wie­der in die Spur gekom­men bin, habe ich das mir zu ver­dan­ken.
    Jedes­mal, wenn ich mei­nem Impuls nach­ge­ge­ben habe, habe ich alleine die Ent­schei­dung getrof­fen.

Das halbe Jahr ist längst ver­stri­chen und so ganz zufrie­den bin ich noch nicht. Macht aber nichts. Ich bleib dran. Irgend­wann wer­den sich meine Bemü­hun­gen bezahlt machen. Dar­auf freue ich mich jetzt schon.

Lese­tipp: Die Macht der Gewohn­heit

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Ich bevor­zuge ja den Begriff “Bestands­auf­nahme” statt Aus­mis­ten. Wenn Sie wis­sen möch­ten, was für mich der Unter­schied ist und wie Sie die für sich rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen tref­fen kön­nen, dann schauen Sie doch in mei­nen kom­pak­ten Rat­ge­ber “Die drei Säu­len der Ord­nung”.

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