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Beruf Auf­räum­coach: Wie kommt man dar­auf?

Beruf Aufräumcoach

Es gibt ja wirk­lich komi­sche Berufe. Mein Beruf Auf­räum­coach zum Bei­spiel. Wie kommt man denn auf sowas? Braucht das über­haupt jemand? Auf­räu­men kann man doch wirk­lich selbst. Womit Leute so alles Geld machen! Naja, aber leben kann man davon ja wahr­schein­lich eh nicht.

Ja – sol­che Sachen lese ich manch­mal, wenn ich auf Face­book etwas poste. Vor allem, wenn ich eine Anzeige schalte.

Nun, die erste Frage: “Wie kommt man denn auf sowas” stel­len mir auch Jour­na­lis­tIn­nen und Kun­dIn­nen. Immer­hin hatte ich ja mal was Anstän­di­ges gelernt (Ver­lags­kauf­frau) und auch stu­diert (Publi­zis­tik und Anglis­tik). Auf­räum­coach zu wer­den, schien also wirk­lich nicht der logi­sche nächste Schritt zu sein. Noch dazu als erste in Öster­reich.

Wie war das also damals 2012? Es ist eigent­lich eine Grün­dungs­ge­schichte, wie viele. Ich hatte ein Pro­blem und musste eine Lösung fin­den.

Klas­si­scher Aus­gangs­punkt: kleine Kin­der, kei­nen Job

Das Pro­blem: Ich 40, zwei kleine Kin­der (1,5 und nigel­na­gel­neu), Arbeit­ge­ber in Insol­venz: ergo ich ohne Arbeit. Ich hatte Lust auf viele Sachen. Am liebs­ten hätte ich damals bei Fair Trade Öster­reich ange­fan­gen. Oder auch wie­der in einem Ver­lag. Lei­der war meine Erwerbs­bio­gra­phie eher – ähm kur­vig. Die Arbeit­ge­be­rIn­nen ver­zehr­ten sich also nicht gerade nach mir. Zumin­dest nahm ich das an. Das und einen müh­sa­men Bewer­bungs­ma­ra­thon.

Ich brauchte einen Plan B.

Die Lösung: Ich besuchte Coa­chings, las Bewer­bungs­rat­ge­ber, machte Mind Maps, grü­belte laut und leise. Und dann kam die Idee ganz frech um die Ecke: ich bot einer Freun­din an, ihr beim Aus­mis­ten zu hel­fen. Eine andere Freun­din scherzte “mach das doch beruf­lich” (diese Freun­din war und ist immer up-to-date und hatte damals schon Berichte über ‘pro­fes­sio­nal orga­ni­ser’ gese­hen).
“Ja, klar – hahah.”

Irgend­wann – ein hal­bes Jahr spä­ter – schoss mir die­ses Gespräch wie­der durch meine Gedan­ken. Ich saß gerade am Com­pu­ter und tippte ein­fach mal ‘pro­fes­sio­nal orga­ni­ser’ ein.

Wow – da gab’s ja schon rich­tige Berufs­ver­bände. Sogar eine Ver­ei­ni­gung in Deutsch­land! Ver­rückt. Es gab also schon Men­schen, die damit Geld ver­dien­ten. Plan B war gefun­den!

Ab die­sem Zeit­punkt habe ich mich nur noch um die Grün­dung von “Kat­rin schafft Platz” geküm­mert. Das Grü­beln und Zwei­feln hatte ein Ende. Jetzt war mein Weg klar. (Übri­gens ist diese Geschichte ein wun­der­ba­res Bei­spiel dafür, wie Intui­tion funk­tio­niert. Wir neh­men alles in uns auf und es taucht im genau rich­ti­gen Moment auf. Vor allem Men­schen, die wie ver­rückt Infor­ma­tio­nen, Arti­kel und Zei­tungs­aus­schnitte sam­meln könnte das Mut machen, sich von ihrem Wust an Infor­ma­tion zu tren­nen.)

Mein Beruf Auf­räum­coach – ein­fach unnö­tig, oder?

Mich selb­stän­dig zu machen kam in mei­ner Gedan­ken­welt bis zu die­sem Zeit­punkt über­haupt nicht vor. Um ehr­lich zu sein wollte ich mich sogar nie selb­stän­dig machen. Soviel Ver­ant­wor­tung, keine siche­res Gehalt. Schon allein, dass ich das plötz­lich zag­haft andachte, war schon ein rie­sen Schritt für mich.

Heute ist “Kat­rin schafft Platz” das, was ich beruf­lich bis­her am längs­ten mache. Meine Bauch­ent­schei­dung war also genau rich­tig (wie eigent­lich alle Bauch­ent­schei­dun­gen).

So war das also damals. So also kommt man auf sowas.

Ste­hen noch die Fra­gen “braucht das über­haupt jemand?”; “kann man nicht selbst auf­räu­men?” und “Kann man davon leben?” aus.

Die Frage, ob jemand einen Auf­räum­coach braucht, ist ja eigent­lich unnö­tig. Offen­bar – denn sonst gäbe es mich und meine Kol­le­gIn­nen nicht. Aber es geht ja auch gar nicht um die Frage. Son­dern darum, sich hämisch über Men­schen lus­tig zu machen.
Einer­seits über Men­schen, die so einen doo­fen Beruf, wie mei­nen haben.
Ande­rer­seits über Men­schen, die sowas Bana­les wie Auf­räu­men und Ord­nung hal­ten ein­fach nicht auf die Reihe krie­gen. Was für Loo­ser!
Meine Rück­frage ist meist “Wobei haben Sie sich denn schon­mal Unter­stüt­zung geholt?” Es ist doch völ­lig wurscht, wobei wir Unter­stüt­zung brau­chen. Und ist es nicht toll, dass es schon für soviele Berei­che Unter­stüt­zung gibt? Dass wir uns nicht durch alles alleine wursch­teln müs­sen? Dass wir Denk­ar­beit abge­ben kön­nen, an Men­schen, die Exper­tise besit­zen?

Hab ich ein Pro­blem, such’ ich mir Exper­tIn­nen

Ich z.B. bin oft rat­los, wenn es um unsere Kin­der geht. Nie­mand bringt einem Erzie­hung bei. Wir kön­nen Dinge von unse­ren Eltern über­neh­men, oder beschlie­ßen, über­all genau das Gegen­teil zu machen. Und dann stellt man fest, dass die Kin­der irgend­et­was ganz ande­res brau­chen.
Warum soll ich da lange rum­rät­seln? Es gibt Men­schen, die ken­nen sich aus und haben mas­sig Erfah­rung. Also mar­schiere ich dahin und lasse mich bera­ten.
Ja, könnte mir auch pein­lich sein.
“Du musst doch am Bes­ten wis­sen, was für Deine Kin­der gut ist”. Nein – manch­mal weiß man das am Schlech­tes­ten, weil man sie wie ver­rückt liebt und nicht klar sehen kann.
“Was – Du hast Pro­bleme mit Dei­nen Kin­dern?” Äh ja. Und ich gehe mal davon aus, dass ich nicht die Ein­zige bin. Ich hab gar nicht soviel Zeit, die ich mit Schä­men ver­plem­pern könnte. Außer­dem: die Pro­bleme die ich habe, sind ja nicht neu. Ich darf also davon aus­ge­hen, dass ich nicht höre “Was um Got­tes Wil­len – das ist ja das Schreck­lichste, was ich je gehört habe.” Ich bin eine von vie­len. Ich darf mich dar­auf ver­las­sen, dass ich nicht ver­ur­teilt wer­den, wenn ich meine Fra­gen stelle. Meine Unsi­cher­hei­ten prä­sen­tiere. Von den immer glei­chen Kon­flik­ten berichte, zu denen ich keine Lösung finde.

Weni­ger Scham – aber der Wille zu ver­än­dern

Ich finde es groß­ar­tig, dass sich kaum noch Men­schen wort­reich für ihre Unord­nung ent­schul­di­gen, wenn sie mich anru­fen. Klar – unan­ge­nehm ist es vie­len. Aber mir scheint, die Scham ist nicht mehr so über­groß. Man ist kein unmög­li­cher Exot, wenn man einen Ord­nungs­coach zu sich ruft.

Bei mei­ner Arbeit geht es auch weni­ger um das schlichte Auf­räu­men, son­dern darum die Grund­la­gen dafür zu schaf­fen. Das heißt in den aller­meis­ten Fäl­len: Aus­mis­ten.
Aus­mis­ten heißt:
- Ent­schei­dun­gen tref­fen.
- Genau wis­sen, wozu ich diese Ent­schei­dun­gen treffe.
- Die eige­nen Bedürf­nisse genau ken­nen.

Das macht schon deut­li­cher, warum das nicht für alle Men­schen eine ein­fa­che, banale Ange­le­gen­heit ist. Soviel also zur Frage “Kann man nicht alleine auf­räu­men?”

Bleibt noch “Kann man davon leben?” Ja – kann man. Ich wär ja sonst ver­rückt, wenn ich seit 2012 auf einem sin­ken­den Schiff sit­zen bliebe, oder?

PS: Wenn Sie mal Zeit haben, dann emp­fehle ich die Liste der freien Gewerbe – da sind wirk­lich schräge Berufe dabei.

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Ich bevor­zuge ja den Begriff “Bestands­auf­nahme” statt Aus­mis­ten. Wenn Sie wis­sen möch­ten, was für mich der Unter­schied ist und wie Sie die für sich rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen tref­fen kön­nen, dann schauen Sie doch in mei­nen kom­pak­ten Rat­ge­ber “Die drei Säu­len der Ord­nung”.
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