Chaos trotz Auf­räu­men? Daran liegt’s

Renate seufzt genervt. Frus­triert. Depri­miert. “Ich mach doch stän­dig. Ich räume auf. Gefühlt dau­ernd. Aber es bleibt ein­fach nicht ordent­lich. Ich kapier’s nicht.”. Renate räumt ganz sicher nicht nur ‘gefühlt’ dau­ernd auf. Son­dern wirk­lich dau­ernd. Wenn sie nicht zuhause für Ord­nung sorgt, ist sie in Gedan­ken damit beschäf­tigt. Auch das ist Arbeit – unter­schät­zen Sie diese Arbeit nicht. Sie ist anstren­gend und wenn sie nicht zum Erfolg führt, zer­mür­bend. Ich werde Renate bei unse­rem ers­ten gemein­sa­men Ein­satz ein paar grund­le­gende Dinge erklä­ren, damit sie aus die­sem Rad end­lich raus­kommt, einen reals­ti­schen Rah­men bekommt und ver­steht, warum sie mit ihrer bis­he­ri­gen Stra­te­gie gar nicht erfolg­reich sein konnte. Das stän­dige Chaos trotz Auf­räu­men eint fast alle mei­nen Kund*innen.

Es geht über­haupt nicht ums Auf­räu­men

Man kann sich das vor­stel­len, wie bei einem Spiel: es gibt ver­schie­dene Levels und kei­nes davon kann man aus­las­sen. Level 2 kann man erst spie­len, wenn man Level 1 erfolg­reich abge­schlos­sen hat. Das Level auf dem Renate sich befin­det ist eigent­lich sogar 0 und des­halb muss sie Level 1 erst­mal durch­spie­len. Was heißt das genau? “Du musst erst für eine Struk­tur sor­gen. Denn das, was Du bis­her gemacht hast, ist Sta­pel bil­den, Boxen kau­fen und dort deine Kra­me­cken rein­lee­ren und deine Sachen dort­hin räu­men, wo gerade zufäl­lig Platz ist. Es ist logisch, dass du da den Sisy­phus gibst.” Und ich füge noch hinzu – und meine das kein biß­chen böse “So wie es im Moment ist, könnte auch ich keine Ord­nung hal­ten.” Aha – selbst die Ord­nungs­exper­tin würde hier an ihre Gren­zen stos­sen. Yep. So ist es. Auch ich hätte Chaos trotz Auf­räu­men

Level 1 im Ord­nungs­game

Es geht bei Level 1 über­haupt nicht ums Auf­räu­men oder Ord­nung hal­ten. Es geht darum, erst mal alle Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen, die das in Zukunft ermög­li­chen wer­den.
Dazu gehört – wie Sie als treue Lese­rin und treuer Leser inzwi­schen wis­sen – das Aus­so­tie­ren.

Renate ist erleich­tert, weil jetzt klar ist, warum ihre ganze ver­gan­gene Arbeit umsonst sein musste. Es lag also nicht an man­geln­dem Ein­satz, son­dern an den feh­len­den Rah­men­be­din­gun­gen. Die wür­den wir ja jetzt gemein­sam schaf­fen. Level 1 würde sie bald abha­ken kön­nen.

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Level 2 im Ord­nungs­game

In Level 2 geht es um die pas­sende Struk­tur. Ganz wich­tig in die­sem Level ist es, den eige­nen All­tag mit ein­zu­be­zie­hen. Ich frage Renate also ganz genau, wie ihre Woche aus­sieht, wel­che Hand­griffe sie bereit ist für die Ord­nung zu tun. Diese Infor­ma­tio­nen wer­den unser Kom­pass sein, wenn wir uns über die rich­tige Struk­tur Gedan­ken machen. Es hat wenig – nein gar kei­nen Sinn – sich aus­schließ­lich an Pin­te­rest und Insta­gram zu ori­en­tie­ren. Vor­her muss man die eigene Real­tität genau unter die Lupe neh­men. Alles andere wird Phan­ta­sie blei­ben.

Level 3 im Ord­nungs­game

In Level 3 geht es dann end­lich wirk­lich ums Ord­nung hal­ten. Jetzt sind alle Rah­men­be­din­gun­gen geschaf­fen und nun kom­men schlaue Rou­ti­nen zum Ein­satz. Das Ziel ist es immer, mit sowe­nig Auf­wand wie nötig, soviel Out­put wie mög­lich zu errei­chen. Die Befürch­tung, die Ord­nung nicht hal­ten zu kön­nen und das sich wie­der Chaos trotz Auf­räu­men ein­schleicht muss man in die­sem Level wirk­lich nicht mehr haben. Auch das ist eine große Erleich­te­rung für Renate. Sie kann jetzt sicher sein, dass sie die Zügel in der Hand behal­ten wird.

It’s no sprint, Honey

Als Renate mich fragt, wie lange es denn unge­fähr dau­ern wird, bis wir fer­tig sein wer­den, zögere ich. Wie immer. Es ist die­ser Moment, der ent­schei­det, ob jemand ein­knickt, oder kurz schluckt und trotz­dem die Ärmel hoch­krem­pelt. Nach­dem wir jetzt schon 5 Stun­den zusam­men gear­bei­tet haben, kann ich den Zeit­rah­men gut ein­schät­zen. Ich hole kurz Luft und sage “Ein rea­lis­ti­scher Zeit­rah­men – mit etwas Puf­fer – liegt bei ca. 100 Stun­den.” Ich schaue Renate an und warte auf ihre Reak­tion. 100 Stun­den – das ist ’ne Menge. Ein kur­zer Schock­mo­ment. Aber weil Renate auch keine Ver­drän­ge­rin ist, sagt sie nur “Das schockt mich jetzt schon, aber gut – ich habe ja auch jah­re­lang nicht aus­ge­mis­tet. Ich will ein­fach, dass es anders wird. Kein Chaos mehr trotz Auf­räu­men – ich will mein Leben wie­der zurück.”

Starke Worte und des­halb set­zen wir uns gleich hin und machen einen Plan. Wie tei­len wir diese 100 Stun­den auf? Gibt es einen Zeit­punkt, zu dem sie fer­tig sein möchte? Wie­viele Stun­den kann sie im Monat inves­tie­ren? Wie oft möchte sie meine Unter­stüt­zung? Nach 30 Minu­ten haben wir einen hand­fes­ten Plan. Mach­bar, rea­lis­tisch und nicht über­for­dernd.

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