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Aus­mis­ten nach Kon­ma­rie – der Bauch hat das Sagen

Marie Kondo hilft auch bei mir

Du machst mich trau­rig? Bitte geh!

So, jetzt habe ich sie auch gele­sen – Marie Kondo und ihr Magic Clea­ning. Beide Bücher sind beim Aus­mis­ten bei einem Kun­den aus­sor­tiert wor­den und ich durfte sie mit­neh­men.

Ich kenne die Bücher aus viiiiiiie­len Bücher­re­ga­len mei­ner Kun­din­nen und Kun­den und habe immer ein wenig skep­tisch die Stirn gerun­zelt. Aber über etwas, das man nicht kennt die Stirn zu run­zeln, fand ich dann doch zu ein­fach. Ich wollte mei­ner Abnei­gung auf die Spur kom­men und beschloss, mich der Phi­lo­s­phie der Japa­ne­rin zu wid­men.

Was willst Du mir sagen?

Die Bücher waren ruck­zuck aus­ge­le­sen. Eini­ges – vor allem im zwei­ten Buch – fand ich schon etwas schrul­lig. Das erste Buch aller­dings hatte selbst auf mich einen sehr moti­vie­ren­den Effekt. Ich ging mit einem ganz neuen Blick durch die Woh­nung, betrach­tete meine Dinge unter dem Aspekt: “Wel­ches Gefühl löst es in mir aus?” Das hatte ich zwar bereits vor­her auch schon getan – und das ist auch Grund­lage mei­ner Arbeit – aber ich war jetzt schlicht deut­lich ehr­li­cher.

Zuge­ge­ben, ich habe Kon­dos “Macht es mich glück­lich” abge­wan­delt. Denn ich glaube nicht, dass mich Dinge glück­lich machen. Man­che Dinge machen mich viel­leicht fröh­lich, ener­gie­ge­la­den, oder ruhig. Ich weiß, wann ich in mei­nem Leben ech­tes, pures Glück emp­fun­den habe. Es hatte nie mit Din­gen zu tun. Dem­ge­mäß müsste ich also unsere Woh­nung kom­plett von mei­nen Gegen­stän­den befreien. Also for­mu­lierte ich Kon­dos Leit­satz um. Mit der Frage nach dem Gefühl, wollte ich mich näm­lich auch den nicht so schö­nen Gefüh­len stel­len, sie nicht mehr ver­drän­gen und bewußt abschlie­ßen. Ein Kunde von mir hat es mal – fast ungläu­big – so aus­ge­drückt “Also Sie sagen, wenn ich mich scheiße fühle, wenn ich das Foto sehe, dann darf ich es weg­schmei­ßen?” Yep. Genauso.

Die Mög­lich­keit zwei Stun­den unge­stört unsere Wohung und meine Schränke zu inspi­zie­ren, kam schnel­ler als gedacht. Ein Kunde ver­schob einen Ter­min und da ich schon so im Aus­mist-Modus war, war ich eben heute meine eigene Kun­din.

Was man auf dem Foto oben sieht, ist nur eine kleine Aus­wahl der Dinge, die ich in zwei Stun­den gesam­melt habe. Es waren noch mehr Bücher, DVDs, Hin­stel­ler­chen, Tees, Hüte etc.

Bücher aus­zu­mis­ten fällt mir von mal zu mal leich­ter. Die fünf Stück auf dem Foto habe ich zwar alle­samt gerne gele­sen, aber sie haben in mei­nem Han­deln und Den­ken keine Spu­ren hin­ter­las­sen. Sie waren amü­sante, aber banale Unter­hal­tung. Ich will ihnen kei­nen fes­ten Platz mehr geben.

Trau­rige Gedan­ken an schöne Erleb­nisse

Die bei­den Tee­tas­sen habe ich von einer mei­ner Chi­na­rei­sen mit­ge­bracht. Ich habe dort immer wie­der lange Nach­mit­tage in Tee­häu­sern ver­bracht und dort ser­viert man den Tee eben in genau sol­chen Tas­sen mit Deckel. Zuhause – so dachte ich – wollte ich mit genau der glei­chen Muße Tee trin­ken und dabei soll­ten mir die Tas­sen hel­fen. Ich denke, ich habe es ein paar Mal auch pro­biert, aber natür­lich konnte ich die wun­der­bare Atmo­sphäre nicht nach Wien holen. Die Tas­sen hat­ten also ihren Zweck nicht erfüllt. Das war natür­lich nicht ihre Schuld. Aber immer wenn ich sie sah, musste ich daran den­ken, dass es mir nicht gelun­gen war, aus unse­rer Woh­nung ein chi­ne­si­sches Tee­haus zu machen. Also: nega­ti­ves Gefühl – die Tas­sen dür­fen gehen.

Die Geld­note stammt aus Laos. Meine Asi­en­rei­sen lie­gen schon viele Jahre zurück, aber sie gehö­ren zum Bes­ten, was ich in mei­nem Leben gemacht habe. Die Bank­note war lange eine schöne Erin­ne­rung. Da trug ich sie auch noch in mei­nem Geld­beu­tel, wo ich sie täg­lich sehen konnte. Aber mit der Zeit begann ich sen­ti­men­tal zu wer­den. Nicht auf eine ange­nehme, son­dern auf eine trau­rige Weise. Des­halb wan­derte die Bank­note dann auch peu à peu aus mei­nem Blick­feld. Ich will nicht mehr trau­rig an meine wun­der­ba­ren Rei­sen den­ken – also hat die Bank­note kei­nen Platz mehr bei uns.

Men­schen und Dinge

Der Bil­der­rah­men beher­bergte viele Jahre das Hoch­zeits­ge­schenk einer Freun­din. Es stand auf unse­rer Vitrine und lange Zeit habe ich mich wirk­lich dar­über gefreut, wann immer ich es ansah. Vor eini­gen Jah­ren besuchte ich diese Freun­din und irgend­wie knirschte es unter­schwel­lig die ganze Zeit. Ich hatte das Gefühl, unsere Freund­schaft hatte einen ganz ordent­li­chen Knacks abbe­kom­men, der aber unaus­ge­spro­chen blieb. Unsere Freund­schaft kühlte merk­lich ab und so war der Anblick immer mehr mit einem Kno­ten in der Magen­ge­gend ver­bun­den. Warum ich etwas, das mich so deut­lich run­ter­zog, an einem so pro­mi­nen­ten Platz beließ, hat natür­lich mit Weh­mut und Hoff­nung zu tun. Aber Weh­mut ist fehl am Platz und für die Hoff­nung muss ich halt was tun. Z.b. einen offen Brief schrei­ben. Also, der Bil­der­rah­men darf mit­samt dem Kno­ten im Magen gehen.

Das flie­der­far­bene Holz­dös­chen habe ich als Kind von mei­ner gro­ßen Schwes­ter zum Geburts­tag bekom­men. Es war für mei­nen Schmuck gedacht und so ver­wen­dete ich es auch. Nur: ich trage über­haupt kei­nen Schmuck mehr. Und irgend­wie macht mir auch die­ses Dös­chen ein komi­sches Gefühl. Der Schmuck darin: ver­kno­tete Ket­ten, zu klein gewor­dene Ringe und Ohr­ringe, von denen nur noch ein Stück vor­han­den war. Alles also sehr lieb­los ver­wahrt. Ich habe die Dose lange aus Respekt vor mei­ner Schwes­ter auf­be­wahrt. Aber das ist natür­lich Quatsch. Sie hat ja nicht das geringste davon, wenn ich es auf­hebe und mir dabei jedes­mal krause Gedan­ken mache. Also: liebe Dose, danke für Deine Dienste, aber ich brau­che Dich nicht mehr.

Die Bro­schüre für die Pri­vat­ver­si­che­rung habe ich sicher seit 6 Jah­ren. Sie soll mich daran erin­nern, mir doch end­lich mal eine pri­vate Kran­ken­ver­si­che­rung zuzu­le­gen. Es scheint mir ja wirk­lich furcht­bar wich­tig gewe­sen zu sein, sooooo nach­drück­lich habe ich mich darum geküm­mert. Also: sollte es noch­mal ein Thema in mei­nem Leben wer­den, werde ich es auch ohne die völ­lig ver­al­tete Bro­schüre hin­be­kom­men.

Jetzt geht’s erst rich­tig los – machen Sie mit!

Das ist erst der Anfang. Nächs­ten Mon­tag starte ich ein 30-Tage-Pro­gramm. 30 Tage lang wird jeden Tag etwas aus­ge­mis­tet. 1 Stück an Tag 1, 2 Stü­cke an Tag 2 usw. Ins­ge­samt wer­den 465 Stü­cke aus der Woh­nung zie­hen. Mein Mann wird übri­gens auch mit­ma­chen. Für ihn wird es eine echte Her­aus­for­de­rung und ich finde es toll, dass er sich auf­rafft.

 

 

 

2 Antworten auf Aus­mis­ten nach Kon­ma­rie – der Bauch hat das Sagen

  • Ich wollte mir gerade die Buch­reihe um Thurs­day Next kau­fen,
    bin aber selbst gerade bei mei­nen Eltern und auch bei mir selbst am Aus­mis­ten.
    Zufäl­lig stoße ich auf dei­nen Blog, der mich moti­viert dran zu blei­ben
    (auch weil das Ganze einen irgend­wann in den Wahn­sinn zu trei­ben droht, wenn es kein Ende fin­det),
    und ich denke mir, dass ich erst ein­mal 10 andere Bücher lesen sollte, die in mei­nen zahl­rei­chen Bücher­kis­ten veschwun­den sind.
    Mir fällt das immer noch schwer, mich von Din­gen zu tren­nen, aber was ich bis­her gelernt habe ist,
    dass Aus­mis­ten gemein­sam leich­ter fällt. Und es wird tat­säch­lich von Mal zu Mal bes­ser,
    doch ich hoffe irgend­wann das Gefühl zu haben nicht mehr von all dem Hab und Gut erschla­gen zu wer­den.
    Noch kann ich es mir kaum vor­stel­len, doch der Tag wird kom­men, oder was meinst du?
    Liebe Grüße und danke für die Erin­ne­rung, dass es nach dem gro­ßen Aus­räu­men wich­tig ist auch Klei­nig­kei­ten aus­zu­mis­ten.

    • Liebe Eli­sa­beth,
      ich bin ganz sicher, dass der Tag kom­men wird. Denn offen­bar bist Du bereit auch schwie­rige Schritte zu gehen, dran zu blei­ben und Dich selbst zu hin­ter­fra­gen. Und genau wie Du, mache auch ich die Erfah­rung, dass man beim Los­las­sen rou­ti­nier­ter wird. Man kann das üben. Genauer gesagt: man kann üben, Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Hör gut auf Dei­nen Bauch! Du weißt wohin Du willst – Du wirst dort­hin kom­men! Ich wün­sche Dir alles Gute. Kat­rin

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