Worum geht es in diesem Artikel?
Günstige Preise und die Angst, eine Gelegenheit zu verpassen, können schnell dazu führen, dass ich Dinge kaufe, die ich eigentlich gar nicht brauche. Oft wirken solche Produkte wie eine Lösung für ein Problem, das vorher gar keines war, und so sammeln sich mit der Zeit viele Gegenstände an, die kaum oder nie benutzt werden. Um das zu vermeiden, hilft es, nicht sofort zu kaufen, sondern erst einmal darüber zu schlafen und am nächsten Tag zu überlegen, ob ich den Gegenstand wirklich brauche. Ordnung beginnt deshalb schon bei der bewussten Entscheidung, was überhaupt in mein Zuhause kommt.
Ich kenne sie, die Tchibo-Falle. Sie arbeitet mit zwei Tricks: dem günstigen Preis und unserer Furcht, eine Gelegenheit zu verpassen. Alle zwei Wochen präsentiert Tchibo „eine neue Welt“. Zumeist ist das eine Ansammlung an praktischen Dingen für den alltäglichen Gebrauch, die auch noch hübsch anzusehen sind. Sei es für die Küche, das Bad, den Garten, das Büro. Der Kauf verspricht oft die Lösung eines Problems, von dem man vorher gar nicht wusste, dass man es hatte.
Ananasschneider
Ich erinnere mich z.B. gerne an den Ananasschneider. Als ich vor Jahren die Packung mit diesem Utensil in der Hand hielt, dachte ich „Wie konnte ich bisher ohne einen Anansschneider leben?“ Schwupps, war er schon gekauft. Nie mehr wollte ich mich mit dem Schneiden der Ananas quälen. Dass ich bis dato im Schnitt pro Jahr eine halbe Ananas verzehrte, war mehr als nebensächlich. Der günstige Preis machte mir die Entscheidung leicht. Die größere Rolle spielte wohl aber die Furcht, hiermit die allerletzte Gelegenheit zum Kauf zu haben. Würde Tchibo jemals wieder einen Ananasschneider anbieten? Würde eine weltweite Ananasschneider-Krise ausbrechen? Nein, dieses Risiko wollte ich auf gar keinen Fall eingehen. „Verknappungslüge“ meinte eine Kundin sehr treffend, als wir über das Thema redeten.
Bei meiner Arbeit treffe ich oft auf verwaiste Ananasschneider und ihre Verwandten. Zum Teil noch nie verwendet und originalverpackt. Hier eine kleine Auswahl:
Seidenstrümpfe und ‑strumpfhosen
Boxen und Schachteln
Büroartikel
Gymnastikbänder und andere Sportgeräte
Geschenkpapier
Kuchenformen und ‑förmchen
Ein paar Dinge kann ich allerdings uneingeschränkt empfehlen: die Hakenleiste, den Schalbügel und die Vakuum-Beutel.
Die Vermeidung der Tchibo-Falle
Ich habe irgendwann für mich eine ganz einfache Regel aufgestellt: einfach erstmal wieder aus dem Geschäft gehen, ohne etwas zu kaufen. Falls ich am nächsten Tag immer noch der Überzeugung bin, es wäre mir nützlich, kaufe ich es eben dann. Sollte es wider Erwarten ausverkauft sein, wird es spätestens in einem halben Jahr wieder zu haben sein. Garantiert.
Ich selbst bin übrigens fast jede Woche in einer bestimmten Tchibofiliale. Die liegt neben der Musikschule meines Sohnes und hilft mir dabei, die Wartezeit zu überbrücken.
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Und übrigens: wir misten nicht aus. Wir machen eine Bestandsaufnahme: des Lebens, der Wünsche und der Bedürfnisse.
Was mich Kund*innen oft fragen:
- Wie schaffe ich es weniger zu horten?
Weniger zu horten beginnt damit, bewusster einzukaufen und nicht spontan Dinge zu kaufen, nur weil sie günstig sind oder ich Angst habe, sie später nicht mehr zu bekommen.
Mein Tipp: Könnte ich Ihnen nur einen Tipp geben, wäre es dieser: Kaufen Sie nichts sofort, sondern verlassen Sie das Geschäft und schlafen Sie mindestens eine Nacht darüber. - Warum kaufe ich ständig neue Dinge?
Viele kaufen ständig neue Dinge, weil günstige Preise und die Angst, eine Gelegenheit zu verpassen, mich dazu verleiten können, Dinge zu kaufen, die ich eigentlich gar nicht brauche.
Mein Tipp: Achten Sie beim nächsten Einkauf auf den Satz „Das ist aber günstig“ und fragen Sie sich stattdessen: „Würde ich es auch zum normalen Preis kaufen?“ - Wie verhindere ich, dass wieder Chaos entsteht?
Ich kann neues Chaos verhindern, indem ich vor einem Kauf erst einmal abwarte und am nächsten Tag überlege, ob ich den Gegenstand wirklich brauche.
Mein Tipp: Der beste Schutz vor neuem Chaos ist, den Zufluss zu stoppen: Bevor Sie etwas kaufen, fragen Sie sich „Wo wird das bei mir wohnen?“

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