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Kel­ler aus­mis­ten – vom Erin­nern und der Frage nach dem Respekt

Ab in den Kel­ler – und nie wie­der raus damit?

Vor ein paar Wochen bin ich es ange­gan­gen und habe etwas getan, was ich schon lange vor mir her­ge­scho­ben habe: Kel­ler aus­mis­ten. Ich miste ja wirk­lich gerne aus, aber in der Woh­nung weiß ich auch unge­fähr, was mich erwar­tet. Ganz anders im Kel­ler. Seit unse­rem Umzug habe ich in keine der Kis­ten gese­hen und dem­entspre­chend unlus­tig bin ich diese Auf­gabe ange­gan­gen.

Wie soll mein Kel­ler nach dem Aus­mis­ten sein?

Ich hatte eine ziem­lich genaue Vor­stel­lung, was für einen Kel­ler ich am Ende haben wollte: alle Dinge soll­ten mit maxi­mal zwei Hand­grif­fen erreich­bar sein und die Hälfte des Bodens sollte frei blei­ben.

Zuerst habe ich alle Kis­ten in den Gang geräumt. Dann tief durch­ge­at­met und die erste geöff­net.

Hallo Ihr lie­ben Stu­den­un­ter­la­gen! Stu­di­en­un­ter­la­gen sind beliebte Platz­räu­ber in vie­len Haus­hal­ten.  Mein Stu­dium ist jetzt 18 Jahre her. Die Unter­la­gen sind nicht mehr rele­vant für mein Leben. Ver­mut­lich ver­al­tet. In grau­en­haf­tem Zustand. Mehr Gründe braucht es eigent­lich nicht, um sich von ihnen zu tren­nen und das tat ich dann auch. War wirk­lich ganz ein­fach.

Die Sache mit dem sen­ti­men­ta­len Wert

Hab ich damals wirklich geglaubt, was ich da schreiben musste?

Hab ich damals wirk­lich geglaubt, was ich da schrei­ben musste?

Aus der nächs­ten Kiste sahen mich Schul­bü­cher und Schul­hefte uns mei­ner Volks­schul­zeit erwar­tungs­froh an. Zu der Zeit, als ich die bei mei­nen Eltern aus­sor­tiert habe (meine Eltern hat­ten nie Lust Lager­stätte für unsere Kind­heits­er­in­ne­run­gen zu sein), dachte ich ein­fach, es wäre nett, sich irgend­wann mal durch diese Hefte zu blät­tern. „Also“, habe ich zu mir gesagt, „dann ist eben jetzt die­ses irgend­wann“. Zu mei­nem Erstau­nen hat mich die Lek­türe ziem­lich unbe­rührt gelas­sen. Hm. Also ab in das Alt­pa­pier. Zwei Hefte habe ich auf­ge­ho­ben, um sie mei­nem Sohn zu zei­gen, der gerade in der 1. Klasse ist.

 

 

Erinnerungen an die ich mich gar nicht mehr erinnert habe

Erin­ne­run­gen an die ich mich gar nicht mehr erin­nert habe

Eben­falls in die­ser Kiste war ein Hau­fen Kas­set­ten: die Hexe Schrum­pel­dei und jede Menge Mix­tapes. Da ist mir die Ent­schei­dung deut­lich schwe­rer gefal­len. Da war die Musik mei­ner Aus­geh-Jahre, mei­ner Lon­don-Jahre archi­viert. Also habe ich einen Kom­pro­miss mit mir aus­ge­han­delt: Acht Musik­kas­set­ten darf ich behal­ten, aber ich muss sie mit in die Woh­nung neh­men und auch gleich anhö­ren. Naja, der Kel­ler ist offen­bar kein guter Auf­be­wah­rungs­ort. Aus unse­rem Kas­set­ten­re­kor­der quälte sich lei­ern­des Gebrum­mel, maxi­mal für einen kur­zen Lacher gut. Fazit: weg damit.

 

 

Kabel für alle Lebens­la­gen

Als nächs­tes bäum­ten sich drei Kabel­kis­ten vor mir auf. Eine gro­teske Samm­lung an PC-Kabeln, Kabel­res­ten, Steck­do­sen, Dräh­ten und Din­gen, von denen ich die Namen nicht kenne. DAS aus­zu­sor­tie­ren hat mir ganz gro­ßen Spaß gemacht. Was für eine Genug­tu­ung aus die­sem Hau­fen eine kleine, über­sicht­li­che Samm­lung zu machen: maxi­mal drei Stück von jeder Sorte durf­ten blei­ben, der Rest fand sich in der Kiste für den Sperr­müll wie­der.

Zuletzt wandte ich mich dem gan­zen Krims­krams zu, der mir aus den Kar­tons ent­ge­gen krab­belte: ein­zelne Tas­sen; sämt­li­che Ein­tritts­kar­ten aus mei­ner Jugend; Vasen; eine Muschel­samm­lung; Bücher.

Die Frage nach dem Respekt

Bei jeder Ent­schei­dung hatte ich im Kopf, was ich auch meine Kun­den immer sage: wenn es schon so lange in einer Kiste ver­steckt liegt, so wenig sorg­fäl­tig auf­ge­ho­ben wird, dann kann es für mich nicht beson­ders wich­tig sein. Wich­tige Dinge behandle ich mit Respekt.

Der Gang in den Kel­ler ist jetzt eine rich­tige Freude: alles ist gut erreich­bar, über­sicht­lich und ich muss keine alber­nen Ver­ren­kun­gen mehr machen, wenn ich etwas brau­che.

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