Ordnung halten ohne Wenn und Aber

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Ordnung halten ohne Wenn und Aber

Ordnung halten ist eine Entscheidung

Letzte Woche war eine Journalistin der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ bei mir zu Hause. Der Grund: Marie Kondo sorgt auf Netflix für Ordnung. Das Interesse schwappt deshalb auch auf mich und meine Kolleginnen und Kollegen über. Ich selbst arbeite zwar nicht nach der KonMari Methode, aber es gibt natürlich viele Überschneidungen. Die Wichtigste ist wohl: wir bringen die Menschen dazu, sich mit dem angesammelten Besitz auseinander zu setzen.

Anders als Marie Kondo war ich nicht als Kind schon eine begeisterte Aufräumerin. Im Grunde liegt meine Kindheit und Jugend diesbezüglich ziemlich im Nebel. Was ich aber sicher weiß – ich habe nicht wie Marie Kondo meine freie Zeit damit verbracht, zuhause für Ordnung zu sorgen. Kondo beschreibt in ihrem Buch „Magic Cleaning“ wie sich sich halb um den Verstand sortierte und sich wunderte, warum die Ordnung nicht und nicht halten wollte. Irgendwann hatte sie das Aha-Erlebnis: ihre Familie hatte einfach zuviel Zeug für die Größe der Wohnung.

Keine Kondo-Kindheit

Für Ordnung sorgen, das hat – ganz klassisch für die 70er Jahre – meine Mutter gemacht. In meiner Erinnerung war sie oft genervt von meiner Faulheit. Ich selbst kann mir mein Kinderzimmer aber partout nicht mehr vor Augen rufen.

Eine einzige prägnante Erinnerung habe ich und die hat mit einem Joghurtbecher zu tun. Ich glaube es war Erdbeer.

Wir hatten im Wohnzimmer einen super gemütlichen Ohrensessel. Er stand am Fenster und man konnte von dort aus in unseren Garten sehen. In diesem Sessel zu lesen war eine meiner liebsten Beschäftigungen nach der Schule. Zu lesen und nebenher irgendetwas zu essen.

In der besagten Erinnerung habe ich wohl einen Erdbeerjoghurt gelöffelt, während ich ein Buch las. Als ich fertig war, habe ich nun nicht den Becher gleich in den Müll geworfen und den Löffel in die Spülmaschine gesteckt – nein, ich habe alles in bester Teenagermanier auf dem Fensterbrett stehen lassen und habe mich mit meinem Buch in mein Zimmer verzogen.

Nun, meine Mutter war wenig begeistert. Ich nehme an – auch wenn diese Erinnerung so singulär aus meinem Gedächtnis herausragt – es war wohl nicht das erste Mal.

Es war aller Wahrscheinlichkeit nach das Trillionste Mal. Und auch das weiß ich noch wie heute: ich konnte die Entrüstung meiner Mama nicht verstehen. Ich hätte den Joghurtbecher samt Löffel schon aufgeräumt. Ja, in meinem pubertierenden Kopf habe ich das tatsächlich geglaubt: „Ich hätte das schon noch aufgeräumt.“ In tausend Jahren nicht.

Am Anfang stand eine Entscheidung

Eine Frage, die mir immer gestellt wird, ist: warst Du schon immer so ordentlich. Nicht anders bei diesem Interview. Nur diesmal fiel mir plötzlich ein, wann das mit meiner Ordnungs….nein „liebe“ ist das falsche Wort. Also wann das angefangen hat, mit der Ordnung und mir.

Es fing in dem Moment an, als ich meine eigene Wohnung hatte. Ich habe damals eine Entscheidung getroffen und die nie mehr in Frage gestellt:

Ich will wenig Arbeit mit meiner Wohnung haben

Diese eine Entscheidung zog seitdem tausende von kleinen Entscheidungen nach sich. Es war ganz einfach. Wenn ich nach meiner Hauptentscheidung leben wollte, war es ganz klar, welche Folgeentscheidungen ich treffen musste. Das Ergebnis dieser Folgeentscheidung ist bis heute:

  • ich habe und hatte nie mehr Dinge, als ich Platz für sie habe
  • ich weiß immer genau was ich habe
  • nach Gebrauch räume ich immer und ohne Ausnahme alles wieder an seinen Platz

Tatsächlich räumen wir zuhause nie auf!  Ok, es gibt eine Ausnahme und das ist das Kinderzimmer. Das Kinderzimmer ist der einzige Raum, der in regelmäßigen Abständen nach einem etwas größeren Einsatz verlangt. Aber auch der ist meist nach 15 Minuten erledigt.

Wenn ich nach Hause komme, könnte ich mich theoretisch einfach nur hinsetzen und nichts tun.

Außerdem kann ich jederzeit und an jedem Ort eine Inventurliste aufsagen. Vor meinem inneren Auge sehe ich genau, was ich wo habe. Gut,  das klingt jetzt schon fast gruselig. Sagen wir 85% meines Besitzes. Ich verbringe also keine Zeit mit Suchen.

Ordnung heißt sich kümmern

Der Satz „Ich will wenig Arbeit mit meiner Wohnung haben“, liest sich das fast ein wenig lieblos. So, als würde ich mich nicht kümmern wollen. Als würde ich ein klinisches Umfeld einer wohnlichen Atmosphäre vorziehen. Aus lauter Faulheit. Nein, dem ist nicht so.

Bei uns gibt es Deko, stehen Fotos in den Regalen und unsere gesammelten Souvenirs in einer Vitrine.

Und das Kümmern? Natürlich kümmere ich mich um die Wohnung. Viel sogar. Nur die Handgriffe laufen inzwischen so nebenher, so automatisch, dass ich sie gar nicht mehr bemerke. Ich stelle nämlich meine Hauptentscheidung nicht in Frage. Das ist nämlich, was das Ordnung halten so anstrengend erscheinen lässt. Die Frage „Soll ich oder soll ich nicht? Will ich oder will ich nicht? Jetzt oder später?“ Dann kommt die Routine aus dem Tritt und die Energie fließt ins Grübeln.

Das Denken kommt uns in die Quere

Meine Mama hat damals immer gesagt „Nicht so viel denken, einfach machen.“ Damals fand ich den Spruch unsagbar doof. Denn: wenn ich doch schon am Denken bin, dann kann ich doch nicht aufhören. Stimmt. Um die Denkfalle vor dem Tun abzuschalten gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Die eine unumstößliche Entscheidung ganz aus sich heraus zu treffen. So wie ich, als ich mit meinen Umzugskartons in meiner ersten eigenen Wohnung stand.
  2. Üben, üben, üben. Zuerst fängt man an, sich der Denkfalle bewußt zu werden. Ab da wird man sich immer öfter selbst dabei ertappen, wie das Denken das Tun verhindert. Dann kommt allerdings der schwerste Schritt: Tun trotz Denken. Je öfter dieser Ablauf geübt wird, desto schneller kann sich eine Routine entwickeln. Ist die Routine da, ist es geschafft.

Also Mama, zumindest bei der Ordnung schaffe ich es, nach Deiner Devise zu handeln. Da, wo ich etwas in meinem Verhalten ändern möchte, denke ich zumindest sehr oft an sie.

 

By | 2019-01-24T19:11:44+00:00 Januar 24th, 2019|Categories: Tipps|Tags: |

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