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Aus­mis­ten Schritt für Schritt

Ich lerne ja stän­dig dazu.
Ich lerne durch meine Kund*innen und durch meine Kin­der.
Wenn ich so ein plötz­li­ches A‑ha Erleb­nis habe, dann über­lege ich mir, wie ich am meis­ten draus machen kann. Für mich. Meine Kin­der. Meine Kund*innen.
Über mein letz­tes gro­ßes A‑ha erzähle ich hier, weil ich finde, dass man das in jeder Lebens­lage zur Hand haben sollte. Nicht nur beim Aus­mis­ten.

Eine. Auf­gabe. Nach. Der. Ande­ren

Naja – das klingt jetzt auf den ers­ten Blick nicht so auf­re­gend. Eigent­lich auch auf den zwei­ten nicht. Es braucht eine gute Anwei­sung, damit man diese Regel hilf­reich ein­setzt.

Auch mir war die Regel natür­lich nicht neu. Schritt für Schritt. Trotz­dem kenne ich selbst das Gefühl der tota­len Über­for­de­rung. Wo anfan­gen? Wie in Gedan­ken nicht hin- und her­tau­meln? Ich konnte also selbst nicht viel damit anfan­gen. Des­halb habe sie ich auch mei­nen Kund*innen nicht ans Herz gelegt, weil es ja nur bei einem bana­len Gemein­platz geblie­ben wäre.
Seit Kur­zem habe ich sie aber im Reper­toire und das kam so:

Es geschah beim Abend­brot. Den Aus­lö­ser des ver­zwei­fel­ten Wein­kramp­fes unse­res Soh­nes weiß ich nicht mehr. Aber die nicht zu bän­di­gende Über­for­de­rung in sei­nen Augen sehe ich heute noch vor mir.
Mein ers­ter Impuls war natür­lich: “Lösung fin­den – sofort beru­hi­gen – Kind wie­der glück­lich machen.”
Nun weiß ich inzwi­schen, dass das alles nicht so schnell geht. Kin­der wol­len nicht ein­fach beschwich­tigt wer­den und miss­trauen des­halb schnel­len Lösun­gen. Völ­lig zu Recht. Kin­der wol­len Werk­zeuge bekom­men, die sie selbst ver­wen­den kön­nen. Selb­stän­dig und wann sie sie brau­chen.
Weil ich auch weiß, dass man Stra­te­gien, die nicht funk­tio­nie­ren schlau­er­weise ver­än­dert, habe ich mir die Zeit genom­men und mal kurz über­legt.
Und so sagte ich zu mei­nem Sohn: “Deine Auf­gabe jetzt ist nur tief Luft zu holen und lang­sam aus- und ein­zu­at­men. Alles andere machen wir spä­ter. Jetzt küm­merst Du Dich nur um diese eine Auf­gabe.“

Das war fast wie ein Zau­ber­trick. Unser Sohn konnte sich ganz auf diese eine Sache kon­zen­trie­ren und musste nicht über­le­gen, wie er denn jetzt sofort das ganze, dicke Pro­blem löst. Mit den vie­len Teil­auf­ga­ben, die er viel­leicht noch nicht ein­mal so genau kennt. Er konnte sich beru­hi­gen und hatte dann die nötige Ruhe, mit mir die nächste Auf­gabe zu bespre­chen. (Im Übri­gen war das auch für mich eine große Erleich­te­rung. Denn auch ich brauchte Zeit zum Über­le­gen)

Eine.Aufgabe.Nach.Der.Anderen.

Was könnte die­ses Erleb­nis für meine Arbeit bedeu­ten? Heißt Aus­mis­ten Schritt für Schritt mehr, als nur in Kate­go­rien alles abar­bei­ten? Ich hatte eine Denkauf­gabe!

Ein Schritt ist klei­ner als man denkt

Wenn ich denke, ein neues Werk­zeug, ein neuer Rat­schlag ist reif für den Markt, dann teste ich ihn.
Letzte Woche hatte ich das Glück, ihn zugleich vor Ort bei einer Kun­din und in mei­nem Online-Mini­kurs prü­fen zu kön­nen.

Meine Kun­din – eine junge Frau – hatte mich gebe­ten Ord­nung in ihr Zuhause zu brin­gen. Wie so oft, star­te­ten wir mit der Klei­dung.
Beim Aus­mis­ten schie­ßen einem ja gerne gedank­li­che Quer­schlä­ger dazwi­schen. Statt zu ent­schei­den, beschäf­ti­gen wir uns bereits mit den dahin­ter lie­gen­den Auf­ga­ben:

  • wohin damit?
  • das war aber doch teuer
  • was wenn ich es noch­mal brau­che?
  • werde ich es bereuen?

So erlahmt der moti­vier­teste Ent­schei­dungs­mus­kel.

Ich habe mei­ner Kun­din also gesagt: “In die­sem Schritt ent­schei­den Sie bitte ein­fach nur Top oder Flop. Ob Sie die Stü­cke danach wirk­lich aus­sor­tie­ren und wo Sie sie hin­brin­gen – das sind die Schritte 2 und 3.“
Das Ganze kann man noch ver­fei­nern:
Jetzt sind nur die T‑Shirts dran. Hosen, Röcke und Pul­lis sind völ­lig eigene Schritte. Dar­über machen Sie sich Gedan­ken, wenn diese Auf­gabe ansteht.

Hilft das wirk­lich und warum?

Ja, das hilft wirk­lich. Natür­lich wird man sich – bitte lie­be­voll – manch­mal selbst daran erin­nern: wenn Sie mer­ken, dass Ihre Gedan­ken schon wie­der woan­ders sind, oder Sie am liebs­ten mit einer ande­ren Auf­gabe wei­ter­ma­chen möch­ten. Aber das macht nichts. Das gehört ein­fach auch zum Trai­ning dazu.
Mit den Gedan­ken bei einer Auf­gabe blei­ben und nicht aus­wei­chen ist auch für andere Auf­ga­ben eine sehr gute Her­an­ge­hens­weise. (Es ist soooo cool, was wir beim bedach­ten Aus­sor­tie­ren auch für andere Lebens­be­rei­che ler­nen kön­nen. Ich selbst habe sicher noch nicht alles her­aus­ge­fun­den).

Es hilft, weil

  1. es den Kopf ent­las­tet. Der ist ja ohne­hin gefor­dert, weil Ent­schei­den eine Denkauf­gabe ist.
  2. aus einer riiiiiiiie­si­gen “Das schaff ich nie”-Aufgabe, eine “Das krieg ich hin” Auf­gabe wird.
  3. Sich nicht zwei unter­schied­li­che Denk­ab­läufe gegen­sei­tig behin­dern. Statt­des­sen nüt­zen Sie es aus, dass ein Auto­ma­tis­mus ent­steht. So ver­ein­fa­chen Sie Ihre Denk­ar­beit.
    Es ist wie Bre­zen schlin­gen und Sem­meln for­men: Es ist leich­ter ein­fach 50 Bre­zen zu schlin­gen und danach 50 Sem­meln zu for­men, anstatt immer abwech­selnd das eine und das andere.
  4. Sie auf jeden Fall hin­ter eine Teil­auf­gabe einen Haken machen kön­nen. Erle­digt!
  5. Sie plötz­lich einen roten Faden sehen

Aus­mis­ten Schritt für Schritt: das Ergeb­nis

Der Erfolg war durch­schla­gend. Meine Kun­din machte sich ganz beson­nen ans Sor­tie­ren. Am Ende hatte sie es für sich ganz klar:
Hier lie­gen meine Lieb­lings­stü­cke
Dort lie­gen meine Ärger­stü­cke

Die kon­se­quente Hand­lung war dann für sie ganz ein­fach. Wir haben in 5 Stun­den 12 große Müll­sä­cke Klei­dung aus­sor­tiert. Die Hälfte wird an ein Frau­en­haus gespen­det. Die andere Hälfte hat ihre Zeit gehabt und kommt in den Müll.

Am glei­chen Abend hatte ich auch ein Live-Tref­fen in mei­nem Mini­kurs. Wir bespra­chen die Tages­auf­gabe und ich gab mei­nen Teil­neh­me­rin­nen den glei­chen Rat. Das Feed­back gab mir recht: die ganz bewusste Abgren­zung des Ent­schei­dungs­pro­zes­ses von dem was danach kommt, war ent­las­tend. Weil die Teil­neh­me­rin­nen ent­las­tet waren, konn­ten sie intui­tiv ent­schei­den. Man­che hat­ten das Gefühl zum ers­ten Mal über­haupt ent­schei­den zu kön­nen.

Aus­mis­ten Schritt für Schritt – end­lich mehr als ein bana­ler Rat­schlag.
Ein neues Werk­zeug in mei­nem Kof­fer.
Ich bin gespannt, was ich als Nächs­tes ent­de­cke.

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