fbpx

All­tags­hel­fer: rette sich wer kann!

Alltagshelfer

Der Eier­schnei­der für die per­fek­ten gleich­mä­ßi­gen Eier­schei­ben.
Der Gur­ken­lift für die ein­ge­leg­ten Gur­ken.
Der rutsch­feste Babytel­l­er­mit­un­ter­set­zer für kle­cker­freies Essen von Anfang an.
Was haben diese All­tags­hel­fer gemein? In mei­nen Augen nur eines: sie lösen Pro­bleme, von denen wir gar nicht wuss­ten, dass wir sie haben. Pro­bleme, die wir ver­mut­lich nie bekom­men wer­den. Pro­bleme, die wir auch ganz anders zu lösen im Stande sind.

Wer keine Sand­wich­bar hat, wo jeden Tag meh­rere hun­dert Eier geschält und in Schei­ben geschnit­ten wer­den müs­sen, kommt mit einem stink­nor­ma­len Mes­ser eigent­lich gut über die Run­den. Ich glaube sogar, dass der Eier­schnei­der in einem nor­ma­len Haus­halt ver­mut­lich nur ein paar Mal ver­wen­det wird. Dann merkt man, wie umständ­lich er zu rei­ni­gen ist. Und er wird seine Schub­lade nie wie­der ver­las­sen.

Hält der All­tags­hel­fer nicht, was er ver­spricht, pas­siert oft etwas Komi­sches: wir erset­zen ihn durch einen ver­meint­lich bes­se­ren All­tags­hel­fer, anstatt auf unse­ren Haus­ver­stand zurück­zu­grei­fen. Na und dann lie­gen da zwei Pro­blem­lö­ser rum.

Beliebte Ziel­gruppe für All­tags­hel­fer: Erst­lings­el­tern

Vor allem junge Eltern sind mit sol­chen All­tags­hel­fern schnell zu ver­un­si­chern – und somit auch gleich zum Kauf bereit. Wer das erste Mal Eltern wird, hat wenig Vor­stel­lung, was auf sie und ihn zukommt. Tjaha – und da kom­men dann die Pro­dukt­ent­wick­ler auf den Plan. Die wis­sen näm­lich ganz genau, wel­che Gedan­ken und Sor­gen sich Eltern machen. Die Furcht dem eige­nen Kind nicht hun­dert­pro­zen­tig gerecht zu wer­den, kann zu gro­tes­ken Gedan­ken­spie­len füh­ren.

Von den gan­zen För­der­spiel­sa­chen will ich gar nicht erst anfan­gen.

Ich war auch mal Erst­lings­mut­ter. Des­halb weiß ich lei­der auch, wel­chen Druck man sich selbst macht, damit man dem Kind alle För­de­run­gen ange­dei­hen lässt. Ich kann mich noch gut daran erin­nern, wie ich beim Besuch einer Freun­din den Moto­rik­wür­fel bestaunte. Dort gab es jede Menge zu Schie­ben, zu Drü­cken, zu Dre­hen und was weiß ich nicht alles. Ja, war ich denn völ­lig von Sin­nen, noch kei­nen Moto­rik­wür­fel besorgt zu haben? Wie würde unser Sohn sei­nen Lebens­weg beschrei­ten, wenn er nie die Mög­lich­keit hatte, eine Holz­ku­gel über einen krum­men Draht von A nach B zu schie­ben?
Aus Man­gel an Platz bei uns zu Hause, hab ich dann doch kei­nen gekauft. Trotz­dem erin­nere ich mich noch gut an meine Unruhe und die sor­gen­volle Beob­ach­tung unse­res Soh­nes. Gräß­lich!

Aber blei­ben wir mal bei ganz bana­len All­tags­si­tua­tio­nen. Wie z.B. den täg­li­chen Mahl­zei­ten.

Die Lösung für die meis­ten Pro­bleme haben wir bereits

Babies schie­ben, schub­sen und wackeln alles was in Reich­weite ist. Das ist nicht viel – aber es reicht, um Eltern ins Schwit­zen zu brin­gen. Gerade das Essen sieht man halt nicht so gerne durch die Woh­nung flie­gen. Abso­lut ver­ständ­lich. So ein Unter­set­zer mit inte­grier­tem Tel­ler scheint also die Lösung für ein (in Wirk­lich­keit recht bana­les Pro­blem). Ich habe so ein Unge­tüm ein­mal bei einer Fami­lie ent­deckt. Es besteht aus gum­mi­ar­ti­ger, rutsch­fes­ter Masse. Tel­ler und Unter­set­zer sind aus einem Guss. Pro­blem gelöst! Wurde es auch ver­wen­det?

Natür­lich nicht. Es war schlecht zu säu­bern und passte zudem nir­gends in den Geschirr­schrank. Außer­dem hatte man bei der Ent­wick­lung nicht bedacht, dass das Ding zwar nicht rutscht, aber genau wie andere Tel­ler auch hoch­ge­ho­ben wer­den kann. Der Brei spritzt im Übri­gen auch aus die­sem Geschirr in hohem Bogen durch das Zim­mer, wenn das Baby den Löf­fel mit Kara­cho rein sau­sen lässt. Der All­tags­hel­fer machte mehr Pro­bleme, als er löst.

Was pas­siert also? Das Pro­dukt schwört ein Pro­blem­sze­na­rio her­auf (“Stell Dir bloß mal vor, Dein Baby schubst sein Tel­ler­chen vom Tisch. Die­ses Saue­rei!”)
Konsument*in gerät ins Schwit­zen und ver­ab­schie­det sich für den Rest des Lebens von ruhi­gen Mahl­zei­ten.
Pro­dukt ver­spricht Lösung: “Hey – mit unse­rer tol­len Unter­la­ge­plusTel­ler­chen kannst Du Dein Baby quasi unbe­auf­sich­tigt las­sen und selbst ganz in Ruhe essen.“
Konsument*in atmet auf. Der Puls beru­higt sich, der Schweiß trock­net. Das Leben kann wei­ter­ge­hen.

Wir sprin­gen in der Zeit ein paar Monate wei­ter und machen den Real­ti­tät­check:
Das Baby patscht mit dem Löf­fel quiet­schend in den Brei und lacht schal­lend. Anschlie­ßend lupft es die Unter­lage samt Tel­ler an. Hey, das lässt sich ja hoch­he­ben! Tolle Sache. Oh – wie schön der Brei aus dem Tel­ler läuft! Mamaaa, Papaaaa schaut mal was ich kann!

Im End­ef­fekt man macht man also, was alle Eltern machen: man sitzt neben dem Baby, hält den Tel­ler in Schach und wischt danach den Boden. Das Ganze kann man auch mit einer ganz nor­ma­len Baby­schüs­sel machen. Mit einer, die auch gut in die Spül­ma­schine passt, die man gut ver­stauen kann und die man auch noch nach der Baby­zeit ver­wen­den kann.
Das ist im Übri­gen auch eine Erkennt­nis vie­ler Eltern: den meis­ten Kram, den man sich auf diese Weise ein­re­den lässt, braucht man gerade mal ein paar Monate. Bil­lig ist das ganze Zeug aber des­halb nicht.

Die Panik lähmt unse­ren Haus­ver­stand

Wir lösen oft Pro­bleme, die wir noch gar nicht haben. Oder die wir auch lösen könn­ten mit Din­gen, die wir bereits besit­zen. Ohne Geld für einen neuen All­tags­hel­fer aus­zu­ge­ben.
Warum aber setzt unser Ver­stand im Ange­sicht angeb­li­cher Pro­blem­lö­ser oft kom­plett aus? Und wie kön­nen wir ver­hin­dern, dass wir panisch zuschnap­pen und uns Dinge ins Haus holen, die gran­dios unnö­tig sind?

Ich kann nur vor mich hin­ra­ten.

Eine These ist, dass wir Men­schen dar­auf aus­ge­rich­tet sind, Pro­bleme zu lösen. So ent­wi­ckeln wir uns seit dem Nean­der­tal wei­ter. Unser Pro­blem­ra­dar ist immer im Ein­satz.
Nun könnte man ja auch sagen, ein Pro­blem wahr­zu­neh­men, muss nicht immer hei­ßen, es auch zu lösen. Und genau hier möchte ich auch ein­ha­ken.
Grund­sätz­lich emp­fin­den wir Pro­bleme als einen Stö­ren­fried. Der muss besei­tigt wer­den. Schnell! Die­ser Mecha­nis­mus funk­tio­niert ver­mut­lich ganz auto­ma­tisch. Dabei ver­ges­sen wir – gerade wenn es um ein­ge­re­dete Pro­blem geht – erst­mal zu über­le­gen:

  • ist die­ses Pro­blem wirk­lich auch für mich eines?
  • wie würde ich es ohne das Dinge lösen (wie würde ich Eier ohne Eier­schnei­der schnei­den)?
  • wie oft und wie lange wird mich das Pro­blem ver­mut­lich beglei­ten?

Also ein Pro­blem sehen muss nicht immer gleich hei­ßen, es auch auf der Stelle zu lösen. Viele Pro­bleme, die wir sehen, betref­fen uns in Wahr­heit nie. Oder sie sind so banal, dass wir sie auch anders lösen kön­nen. Ohne extra Aus­rüs­tung.

Wir brau­chen Bedenk­zeit

Ich habe vor Jah­ren damit begon­nen, mich zu immu­ni­sie­ren. Es begann alles in einer Tchibo-Filiale. Damals fiel mein Blick auf einen Ana­nas-Schnei­der. Herr­jee, wie konnte ich bis­her ohne aus­kom­men? Wie hatte ich bis­her Ana­nas geschnit­ten? War es nicht eigent­lich so, dass ich mich jah­re­lang nach Ana­nas ver­zehrt hatte, aber aus Man­gel an einem Gerät nie eine gekauft hatte? Wie sehr hatte ich mich dadurch doch in mei­ner Lebens­qua­li­tät ein­ge­schränkt!

Das sollte jetzt ein Ende haben. Der Ana­nas-Schnei­der würde eine neue Ära der Lebens­freude ein­läu­ten. Ana­nas jeden Tag!

Sie ahnen schon – der arme Ana­na­schnei­der durfte sich ein paar­mal bewei­sen. Danach lag er unnütz in der Schub­lade.
Seit­dem über­lege ich mir immer, wenn ich auf ver­meint­lich prak­ti­sche All­tags­hel­fer stosse:

Habe ich das Pro­blem auch
schon vor­her emp­fun­den?

Wenn die Ant­wort nein ist, ist für mich klar – das Ding brau­che ich nicht. Ich bin bis­her auch sehr gut ohne aus­ge­kom­men. Sollte ich es nach einer Woche noch besit­zen wol­len, kann ich es mir immer noch kau­fen. Ich ver­schaffe mir also Bedenk­zeit.

Genau die wird uns aber bewusst – vor allem online und beim Tele-Shop­ping – genom­men. Der Ver­knap­pungs­druck macht uns ner­vös. Aber ganz ehr­lich: es gibt keine Ver­knap­pung. Schließ­lich wol­len die Unter­neh­men ja immer was ver­kau­fen. Also las­sen Sie sich davon nicht mehr ins Bocks­horn jagen. Ver­schaf­fen Sie sich Bedenk­zeit und machen Sie es sich zur ein­fa­chen Regel: Ich kaufe erst­mal nix!

_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​
Mit ein­fa­chen Rou­ti­nen kön­nen Sie dafür jeden Tag dafür sor­gen, dass Sie Ihre Wunsch­ordnung zuhause erhal­ten. Ich habe die 9 bes­ten Ord­nungs­rou­ti­nen und die 5 bes­ten Stra­te­gien fürs Durch­hal­ten zusam­men­ge­fasst. Hier kön­nen Sie sie kos­ten­los anfor­dern:
Die 9 bes­ten Ord­nungs­rou­ti­nen

Möch­ten Sie wis­sen, wann ein neuer Blog­ar­ti­kel erscheint? Dann tra­gen Sie sich in mei­nen News­let­ter ein.
Auch auf Face­book? Dann kom­men Sie in meine Gruppe: Ord­nung schaf­fen – leich­ter leben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Neues aus dem Blog