Ordent­li­che Men­schen und ihr Geheim­nis? Kei­nes!

Zeichnung einer Frau, die heimlich über eine Mauer schaut

Wir kön­nen nicht alles kön­nen – aber wir kön­nen eine ganze Menge ler­nen. Und das bis ins ganz, ganz hohe Alter. Eigent­lich bis zum letz­ten Atem­zug
Als Kind dachte ich immer, mit 25 ist man ein fer­ti­ger Mensch. Heute weiß ich es bes­ser. Man hat natür­lich die Wahl. Wer sich ent­wi­ckeln und ver­än­dern möchte, hat die Mög­lich­kei­ten dazu.

Ich bin keine Freun­din von Ver­glei­chen mit ande­ren. Ich habe es als Kind gehasst, wenn meine Mut­ter meinte “Nimm Dir doch ein Bei­spiel an XY…” XY war ein Nach­bars­junge. Sehr gut in der Schule, aber auch zuwei­len ein jäh­zor­ni­ges und gemei­nes Kind. Warum sollte ich mir ein Bei­spiel an ihm neh­men?
Mir war schon klar, wel­chen Teil von XY meine Mut­ter gerne auch an mir gese­hen hätte. Trotz­dem war ich ver­letzt und irgend­wie auch rat­los. Wie sollte ich das machen? Mir ein Bei­spiel neh­men? Ich fand ihn ja über­haupt kein biß­chen nach­ah­mens­wert.

Die­ser Satz “Nimm Dir ein Bei­spiel.…” kommt mir des­halb bei mei­nen eige­nen Kin­dern nicht über die Lip­pen. Wohl aber, “Frag doch mal, wie er/​sie das macht.” Sich erfolg­rei­ches Ver­hal­ten bei ande­ren abzu­schauen, halte ich für eine gute Idee.

Es gibt zwei Gedan­ken, die uns in die Quere kom­men, wenn wir bei ande­ren etwas beob­ach­ten, was wir selbst auch gerne leben wol­len. Diese Gedan­ken sind toxisch.

“Ich kann das nicht” und
“Bei mir nützt das nichts”

Puh, wenn Sie sich das gekonnt ein­re­den, kön­nen Sie sich schnur­stracks zurück aufs Sofa bege­ben. Ver­än­de­rung? Keine Chance.

Ich ver­rate Ihnen jetzt kein Geheim­nis: es gibt abso­lut kei­nen Grund, warum Sie die­ses, oder jenes nicht kön­nen soll­ten. Wenn Sie es ler­nen wol­len.
Wie fin­den Sie die­sen Gedan­ken? Ermu­ti­gend (hey genau – ich kann immer noch ler­nen)? Abschre­ckend (uäh – das ist anstren­gend)?
Und doch, doch – was beim ordent­li­chen Arbeits­kol­le­gen nützt, nützt mit hoher Wahr­schein­lich­keit auch bei Ihnen. Kup­fern Sie also ruhig bei ordent­li­chen Men­schen in Ihrer Umge­bung ab.

Die 8 bes­ten Regeln, die ordent­li­che Men­schen für Sie schon getes­tet haben

Was also machen ordent­li­che Men­schen anders? Ich habe die 8 wich­tigs­ten Ver­hal­ten gesam­melt, geord­net von “leicht umsetz­bar” bis “braucht Wil­lens­stärke”.


1. Ordent­li­che Men­schen haben eine Kram-Lade

Sie müs­sen sich nicht von Ihren Kram-Laden ver­ab­schie­den. Sie dür­fen und sol­len auf jeden eine Fall behal­ten. Das Geheim­nis auf­ge­räum­ter Men­schen ist: selbst die Kram-Lade ist genau defi­niert. In eine Kram-Lade kom­men Dinge, die so wenig Platz brau­chen, dass dafür keine eigene Schub­lade gebraucht wird. Bei uns sind das Gum­mi­ringe, Bat­te­rien, die Spritz­tülle samt Auf­sät­zen, Streich­höl­zer und Feu­er­zeuge, Tesa-Film, eine Schere und eine Taschen­lampe.
Ein ziem­li­ches Sam­mel­su­rium. Unsere Kram-Lade wird trotz­dem nicht zum Pro­blem, weil sonst nichts ande­res dazu kommt. Es ist keine all­ge­meine “ich- weiß-nicht-wohin-damit”-Lade.

2. Ordent­li­che Men­schen sagen ganz viel “nein”

Auf­gräumte Men­schen sagen ganz viel “nein” zu Din­gen, die ihnen auf­ge­drängt wer­den oder gra­tis zu haben sind: kos­ten­lose Zeit­schrif­ten; Feu­er­zeuge; Kugel­schrei­ber und Blö­cke von Semi­na­ren (ich lasse bei­des immer lie­gen); Stoff­ta­schen; Pröb­chen aus Apo­the­ken; die Seife aus dem Hotel; Rabatt­gut­scheine.
Alles, wirk­lich alles was Sie über Ihre Tür­schwelle tra­gen, braucht irgend­eine Aktion. Also Zeit + Ener­gie. Und wenn es nur der Gang zum Müll­ei­mer ist. Vor­her ste­cken Sie noch Ener­gie in die Über­le­gung “was damit tun?” und die Ent­schei­dung ” will ich das wirk­lich tun?”
Erspa­ren Sie sich die Arbeit, in dem Sie “nein” sagen.

3. Ordent­li­che Men­schen öff­nen Ihre Post jeden Tag

Was, das steht schon an drit­ter Stelle? Dabei ist die Post eines Ihrer gro­ßen Lei­dens­the­men? Der Punkt ist in der Tat ein­fach umzu­set­zen. Sie dür­fen nur “Post öff­nen” nicht mit “Post erle­di­gen” ver­wech­seln. Sie brau­chen die täg­li­che Post nicht jeden Tag erle­di­gen. Aber Sie soll­ten sie unbe­dingt jeden Tag öff­nen.
Danach müs­sen Sie sich nur zwei Fra­gen stel­len:
1) Muss ich etwas erle­di­gen –> ab auf den To-Do-Sta­pel
2) Gehört das in mein Archiv –> ab auf den Abla­ge­sta­pel

Ich ver­wende ein­fach zwei ver­schie­den­far­bige Klar­sicht­hül­len.
Weder 1 noch 2? Dann sollte es wohl ins Alt­pa­pier. Wenn Sie gerne die Bezirks­zei­tung oder bestimmte Wer­be­pro­spekte lesen, machen Sie das ein­fach gleich anschlie­ßend. Und dann ab ins Alt­pa­pier.

Ord­nung hal­ten ganz neben­bei?
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Die 9 Top-Rou­ti­nen für Ihren ordent­li­chen All­tag plus 5 Stra­te­gien für Ihr Rou­tine-Trai­ning.

  • Zwei Merk­lis­ten
  • Eine Erfolgs­liste



Das wird Sie ver­mut­lich nicht mehr als 2 Minu­ten kos­ten. Die haben Sie ganz bestimmt. Mit die­sen 2 Minu­ten wer­den Sie nie wie­der diese gemisch­ten Papier­sta­pel aus Rech­nun­gen, Ver­si­che­rungs­nach­rich­ten, Wer­be­bro­schü­ren, Kon­to­aus­zü­gen, Kre­dit­kar­ten­ab­re­chun­gen etc. haben.
Mehr Tipps zum Umgang mit Papier, kön­nen Sie sich hier holen.

4. Ordent­li­che Men­schen respek­tie­ren Gren­zen

Sie kämen ver­mut­lich nicht auf die Idee, Ihren Haus­halt bei Platz­man­gel auf den Haus­gang, Nach­bars Gar­ten oder den Bür­ger­steig zu ver­la­gern. Weil Sie die Gren­zen Ihrer Wohungs- bzw. Haus­mau­ern respek­tie­ren.
Wenn Sie die­ses Prin­zip auf das Innere Ihres Zuhau­ses über­tra­gen, haben Sie schon eine ganze Menge für die Ord­nung getan.
- Frei­zeit­bro­schü­ren in einen oder zwei Steh­samm­ler – und nicht noch in einen drit­ten oder einem Sta­pel dane­ben.
- Stifte in einer Lade oder einem Stif­hal­ter – und nicht noch dane­ben oder in die Kram­lade.
- Ker­zen in die Ker­zen­box – und nicht noch zu den Tees (weil das passt es ja irgend­wie auch dazu)
- Muscheln in das Muschel­glas und nicht noch in eine extra Schuh­schach­tel.

Die ein­mal defi­nier­ten Räume wer­den nicht nach Belie­ben aus­ge­wei­tet. Bei der Beach­tung die­ser Regel unter­stützt Sie Regel 2 (“nein” sagen) ganz groß­ar­tig.

5. Ordent­li­che Men­sche ge- und ver­brau­chen ihre Dinge

Men­schen, die Ord­nung ganz leicht hal­ten, ge- und ver­brau­chen die Dinge, die sie haben. Sie
- kau­fen keine Tees, wenn Sie noch eine volle Tee­box zuhause haben
- kau­fen keine Gewürze, wenn das Gewürz­re­gal voll ist. Sie über­le­gen statt­des­sen, wie sie Gewürz X best­mög­lich erset­zen kön­nen, mit dem was sie haben
- ver­wen­den Cremes, Dusch­gels und Body­lo­tions und kau­fen nicht auf Vor­rat, oder weil es gerade ein Ange­bot gibt
- sit­zen tat­säch­lich jeden Abend bei Ker­zen­schein zuhause und kau­fen Ker­zen nicht nur, weil die Vor­stel­lung davon so schön ist
- machen die Aus­flüge, die sie sich als Zei­tungs­aus­schnitt auf­he­ben, auch tat­säch­lich

6. Für ordent­li­che Men­schen ist Kau­fen kein Hobby

Wer es zuhause auf­ge­räumt haben möchte, tut sehr gut daran, das Kauf­ver­hal­ten unter die Lupe zu neh­men. Was wir wirk­lich brau­chen, wis­sen wir von selbst. Was die Wirt­schaft möchte, was wir brau­chen, sehen wir in der Wer­bung.
Sicher ken­nen Sie das? Sie blät­tern einen Wer­be­pro­spekt durch oder schlen­dern durch Ihre Tschibo-Filiale. Sie ent­de­cken dort einen Eier­schnei­der und plötz­lich haben Sie ein Pro­blem, das Sie vor­her nicht hat­ten: Eier in exakt glei­che Schei­ben zu schnei­den, scheint auf ein­mal ein Grund­be­dürf­nis.
Was pas­siert ist? Sie sind in die Tschibo-Falle getappt (Tschibo kann man durch den Namen fast jedes Groß­kon­zerns erset­zen).
Ein Schwei­zer Lebens­mit­tel­riese bringt Früh­stücks­flo­cken mit extra Vit­amin Q (für Quatsch) auf den Markt. Sie den­ken, Ihre Kin­der sol­len kei­nes­falls mit Vit­amin Q‑Mangel auf­wach­sen. Zack, schon ist das Eröff­nungs­an­ge­bot im Ein­kaufs­wa­gen.

Über­le­gen Sie: habe ich das Pro­blem auch schon vor­her gese­hen? Habe ich den Man­gel auch schon vor­her ver­spürt? Wenn nicht – kau­fen Sie nix.
Auf­ge­räumte Men­schen machen eines garan­tiert nie: sie lösen keine Pro­bleme, die sich gar nicht haben. Sie wer­den sehen, damit erspa­ren Sie sich viel Geld und her­um­lie­gen­den Kram.

Ent­kop­peln Sie die außer­dem Gedan­ken wie “das ist schön”, “das ist prak­tisch” von “ich muss es besit­zen”. Den­ken Sie nur “das ist schön”.

Leute wie ich ver­brin­gen super wenig Zeit mit Auf­räu­men. Machen Sie es sich auch so leicht: je weni­ger Sie haben, desto weni­ger müs­sen Sie weg­räu­men.

7. Ordent­li­che Men­schen sehen Auf­räu­men posi­tiv

Auf­räu­men ist.….…..
Wie ver­voll­stän­di­gen Sie die­sen Satz? Ich könnte mir vor­stel­len, unge­fähr so:
.….ner­vig
.….reine Zeit­ver­schwen­dung
.… umsonst

Kön­nen Sie sich vor­stel­len, dass Sie ein posi­ti­ves Vor­ha­ben ver­wirk­li­chen, wenn Sie den Weg dort­hin aus tiefs­tem Her­zen ableh­nen?
Auf­räu­men ist eine Tätig­keit, wie jede andere. Warum Sie sie ableh­nen, hat ver­mut­lich eher mit Ihren Erfah­run­gen und Vor­stel­lun­gen zu tun. Viel­leicht haben Ihre Eltern viel mit Ihnen des­we­gen geschimpft? Viel­leicht haben Sie ein unrea­lis­tisch per­fek­tes Bild von Ihrem auf­ge­räum­ten Zuhause vor Augen?

Ver­su­chen Sie mal Fol­gen­des: Erset­zen Sie die Tätig­keit gleich durch Ihr Ziel. Also statt “ich muss auf­räu­men” – “ich machs mir jetzt schön“
Das Wort “muss” ist sowieso falsch. Sie müs­sen gar nichts.

8. Fer­tig ist es wenn es fer­tig ist

Für ordent­li­che Men­schen gehört das Weg­räu­men ganz selbst­ver­ständ­lich zum Tages­ab­lauf dazu. Eine Auf­gabe ist erst dann erle­digt, wenn alles wie­der an sei­nem Platz ist. Das Weg­räu­men ist keine Satel­li­ten­tä­tig­keit, die man machen kann oder auch nicht. Sie hören sozu­sa­gen nicht mit­ten­drin auf, son­dern brin­gen die Auf­gabe zuende. Und das jedes­mal.

Ein Bei­spiel: Pro­jekt “Hun­ger”. Sie haben Hun­ger und wol­len nicht mehr hung­rig sein. Also berei­ten Sie sich ein Essen zu. Ein beleg­tes Brot; ein Rührei; ein Müsli. Nach dem Essen, sind sie satt. Das Pro­jekt “Hun­ger” ist aber erst abge­schlos­sen, wenn alles wie­der an sei­nem Platz ist.
Pro­jekt “Ein­kaufs­liste”. Sie wol­len ein­kau­fen gehen, holen sich Block und Stift und schrei­ben Ihre Liste. Jetzt ist alles notiert. Das Pro­jekt “Ein­kaufs­liste” ist aber erst abge­schlos­sen, wenn der Block wie­der in der Lade und der Stift wie­der im Stift­hal­ter ist.

Je öfter Sie das nicht machen, desto mehr unab­ge­schlos­sene Klein­pro­jekte sind in Ihrem Zuhause ver­teilt. Kein sehr befrie­di­gen­des Gefühl. Außer­dem sind Sie irgend­wann gehemmt, etwas ande­res in Angriff zu neh­men, weil “ich muss ja erst XY auf­räu­men.”
Machen Sie’s gleich. Es kos­tet kaum Zeit. Ich selbst ver­bringe ver­mut­lich keine 15 Minu­ten mit die­sen täg­li­chen klei­nen Auf­räu­me­reien.

Bitte wenigs­tens aus­pro­bie­ren

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Eine Antwort auf Ordent­li­che Men­schen und ihr Geheim­nis? Kei­nes!

  • Tol­ler Arti­kel! Er zeigt vor allem auch, dass wir uns in vie­len Din­gen ein­fach ent­span­nen und den Per­fek­tio­nis­mus über Bord wer­fen dür­fen. Ord­nung darf näm­lich leicht gehen und dafür ist es sehr von Vor­teil, etwas ego­is­ti­scher zu sein und sich um sich selbst zu küm­mern. Danke, Kat­rin!

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